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Erfahren Sie mehr über die vergangenen Länderrisiko-Konferenzen in Mainz

Kongress Länderrisiken 2016

Unser Thema 2016: Chancen und Risiken im Außenhandel 

 
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Risiken kennen und meistern
 
Welche Risiken
sind relevant? Und wie gehen wir mit Ihnen um? Diese Kernfragen des Risikomanagements haben sich im Laufe der Zeit zwar nicht verändert. Ihre Inhalte verändern sich allerdings stetig. Zu konstanten Risiken kommen neue Gefährdungen hinzu. Sie erwachsen zum Beispiel aus dem technischen Fortschritt oder auch aus politischen Veränderungen. „Risiko“ bedeutet aber nicht automatisch das Aus für Geschäftsmöglichkeiten. Das wurde beim Kongress Länderrisiken 2016 einmal mehr deutlich. „Man kann auch in Ländern mit einer schlechteren Bewertung gute Geschäfte machen und in Ländern mit einer guten Einstufung Schäden erleiden“, lenkte auch Jochen Böhm, Regional Risk Underwriting Director bei Coface, den Blick auf die möglichen Chancen – trotz Risiken.
 
Die unbekannte Unbekannte
Jochen Böhm diskutierte beim Kongress in einer „Doppelpass“-Runde mit dem Senior Regional Economist von Coface, Dr. Mario Jung, über Länderrisiken und ihre Auswirkungen auf die Unternehmen. Zuvor, in der Keynote des Tages und im Aufttaktpanel, erörterten Professor Roland Franz Erben und Unternehmensvertreter die Risikovielfalt. Und die Modelle und Verfahren, mit denen Risiken gemanagt werden können. Dabei machte Prof. Erben deutlich, dass es eigentlich unmöglich sei, die heutige Komplexität voll zu durchschauen. Die „unbekannte Unbekannte“ sei in den Risikomodellen eben nicht zu kalkulieren. In der Entwicklung des Risikomanagements seit den 80er Jahren habe es wiederholt Verschiebungen zwischen proaktiven und reaktiven Elementen gegeben. „Heute sehen wir ein etwa ausgeglichenes Verhältnis dieser Komponenten und damit eher ein Chancen- und Risikomanagement“, sagte Prof. Erben, der an der Hochschule für Technik in Stuttgart Wirtschaftspsychologie lehrt.
 
 
Startup und Mischkonzern
In der Diskussionsrunde vor über 500 Teilnehmern wurden diese beiden Seiten der Medaille wirtschaftlichen Handelns deutlich. Während Adrian König, Chief Risk & Compliance Officer, Einblicke in das durchstrukturierte Risikomanagementsystem der Jenoptik AG gab, richtete Sedat Aktas in seinem Startup-Unternehmen „Geile Weine“ den Blick konsequent auf die Chancenseite. „Um das Risiko habe ich mir bei der Gründung keine großen Gedanken gemacht, eher die Chancen gesehen und die Digitalisierung als Möglichkeit genutzt.“ Sein Unternehmen "KA-18" vertreibt unter dem Label und im Online-Shop „geileweine.de“ vorwiegend Weine an die Zielgruppe „Einsteiger“.
Risiken hat Sedat Aktas natürlich auch: unter anderem das Produkt- und das Zahlungsausfallrisiko. Beim Debitorenrisiko nutzt die KA-18 GmbH Factoring. „Ich gebe hier lieber das Risiko ab als eigene Ressourcen zu binden, die ich für die Geschäftsentwicklung brauche.“ Das gelte auch für das im Onlinehandel evidente IT-Risiko. Hier setzt Sedat Aktas mindestens so lange auf Dienstleister, bis es sich eventuell für eine interne Bearbeitung rechne. Seine acht Mitarbeiter ermuntere er lieber zum Ausprobieren als sie mit „Angst vor dem Risiko“ zu bremsen, sagte Sedat Aktas. Die Nähe zum Kunden sei wichtig, um die Warendurchlaufzeiten gering zu halten und keine Ladenhüter einzukaufen. Marketing wird so gewissermaßen zum Modul im Risikomanagement.
 
Chancen nicht verhindern
Adrian König steuert bei Jenoptik ein ausgefeiltes Risikomanagementsystem. Es ist formal Teil des Controllings und Rechnungswesens, setzt aber an vielen Prozessen in Produktion und Verwaltung an. Mindestens zweimal im Jahr erfolgt ein detailliertes Reporting aller relevanten Risiken des Unternehmens. Nicht nur, weil der Kapitalmarkt das verlange. Sondern auch, weil damit allen Stakeholdern die Risiken bewusst würden. „Alle Mitarbeiter sind letztlich für das Risikomanagement verantwortlich und müssen melden, wenn sie Risiken erkennen“, sagt Adrian König. Rund 600 Risiken hat Jenoptik in drei großen Gruppen kategorisiert: strategische, operative und finanztechnische Risiken. Darin finden sich 18 Themen. Kennzahlen von 1 bis 25 beschreiben die Relevanz des jeweiligen Risikos für den Unternehmensgewinn. „Wir achten bei der Bewertung besonders auch darauf, ob sich Risiken von klein nach groß entwickeln“, erklärte Adrian König. So könne eingriffen werden, ehe sich Risiken zuspitzten.
Jenoptik versteht Risikomanagement als Minimierungssystem für Schäden und Verluste. Nicht als Verhinderungsprogramm für Chancen. „So risikoreich wie möglich“ sollten die Entscheider agieren. Was im allgemeinen Sprachgebrauch eher als offensiv riskant verstanden werden dürfte, beschreibt Adrian König allerdings als Sicherheitslinie. Die Betonung liegt auf „möglich“. In letzter Konsequenz bedeute Risikomanagement auch, mit bestimmten Ländern oder Geschäftspartnern nicht mehr zusammenzuarbeiten. Dafür könnten wirtschaftliche Risiken ausschlaggebend sein oder auch die immer wichtiger werdende Compliance mit den Reputationsrisiken. Da Jenoptik unter anderem so genannte Dual-Use-Produkte herstellt – etwa Laser für die Augenchirurgie, die findige Abnehmer auch in Laserwaffen umfunktionieren könnten –, gilt diesem Bereich große Aufmerksamkeit. „Auch wenn wir selbst keine Waffen produzieren, haben wir damit indirekt ein Exportrisiko“, zeigte Adrian König auf, wie komplex sich die Risiken in einem Technologie- und Mischkonzern darstellen können.
 
Betrachtung immer differenzierter
Dies bestätigte Mauro Toldo für seine Arbeit. „Bei der Risikobetrachtung werden die Variablen immer differenzierter“, sagte der Leiter Emerging Markets/Länderrisikoanalyse bei der Dekabank. Beim Länderrisiko etwa gehe es nicht allein um ein Land, sondern auch um Wechselwirkungen mit anderen Ländern oder um die Relation Staat zu Unternehmen. Beispielsweise müsse die Abwertung einer Währung für diesen Staat kein Problem darstellen, bringe für Unternehmen im Land aber eventuell Probleme – oder umgekehrt. „Wir schauen auf mehrere Ebenen, um diese Risiken in ihrer möglichen Wirkung zu erfassen.“
Die geopolitischen Themen schätzt Mauro Toldo, wie auch Jochen Böhm und Dr. Mario Jung von Coface, als immer schwieriger ein. Neben der aktuellen Nullzinspolitik und den Währungsrisiken zählt er die politischen Risiken zu den derzeit drei größten Risikofeldern für eine Bank. „Ob ein Land etwas schneller oder langsamer wächst, ist dabei gar nicht so wichtig.“
 
Lesen Sie zum Kongress 2016 auch ein Interview mit Dr. Mario Jung: „Politische Risiken nehmen zu“.
 
Interessante Informationen zu Ländern und Märkten enthält auch die Broschüre zum Kongress.

Keynote Speaker Roland Franz Erben

Keynote-Speaker beim Coface-Kongress Länderrisiken 2016: Prof. Roland Franz Erben

Roland Franz Erben studierte Betriebswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Wirtschaftsinformatik, Industriebetriebslehre und Englisch an der Bayerischen Julius-Maximilians-Universität in Würzburg. Bereits während seines Studiums befasste er sich intensiv mit Fragestellungen aus den Bereichen Controlling und Risk Management.

Nach seinem Abschluss als Diplom-Kaufmann war Roland Franz Erben als wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für BWL und Industriebetriebslehre der Universität Würzburg (Prof. Dr. Horst Koller) tätig. Dort lehrte und forschte er primär auf den Gebieten Controlling, Strategisches Management und Risk Management. Darüber hinaus betreute Roland F. Erben zahlreiche Kooperationsprojekte des Lehrstuhls mit renommierten Industrieunternehmen.
Im Anschluss an seine Promotion zum Thema "Fuzzy-logic-basiertes Risikomanagement" wechselte er in das Konzerncontrolling eines TK-Unternehmens. Danach war Roland F. Erben als Consultant im "Competence Center Controlling und Risk Management" bei einer der führenden internationalen Unternehmensberatungen tätig.
Im Sommer 2002 arbeitete Roland F. Erben darüber hinaus im Forschungsprojekt COSMOS (Community Online Solutions and Mobile Services) am Lehrstuhl für Allgemeine und Industrielle BWL (Prof. Dr. Dr. h. c. Ralf Reichwald) der TU München.

 

Unmittelbar vor seiner jetzigen Tätigkeit war Roland F. Erben Chefredakteur der Fachzeitschrift "Risk, Fraud & Governance" (ZRFG), die im Erich Schmidt Verlag (Berlin) erscheint. Zuvor war er Chefredakteur der Fachzeitschrift RISKNEWS, die zwischen 1998 und 2003 bei RiskNET und von 2003 bis 2005 beim Wiley-Verlag (Weinheim) erschienen ist. Zudem war er während dieser Zeit auch als selbstständiger Unternehmensberater für mehrere renommierte Großunternehmen tätig.

 

Roland F. Erben ist Gründungsmitglied der European Academy of Management (EURAM) (Brüssel), der Risk Management Association e. V. (München) und der Gesellschaft zur Förderung von Risikoforschung und -lehre (Frankfurt am Main) sowie Mitglied in folgenden Fachverbänden: Bayerischer Journalistenverband/BJV e. V. (München), Bundesverband der Volks- und Betriebswirte/bdvb e. V. (Düsseldorf), Deutscher Hochschulverband/DHV e. V. (Bonn), Gesellschaft zur Förderung Anwendungsorientierter Betriebswirtschaft und Aktiver Lehrmethoden in Hochschule und Praxis/GABAL e. V. (Heidesheim), Internationaler Controllerverein/icv e. V. (Gauting), Schmalenbach-Gesellschaft für Betriebswirtschaft e. V. (Köln), Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft/VHB e. V. (Göttingen), Verein zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten Datenverkehrs/FoeBud e. V. (Bielefeld), Verein Deutsche Sprache/VDS e. V. (Dortmund).

Kongress Länderrisiken 2015

Unser Thema 2015: Kurs halten auf internationalen Märkten 

 
Die Datenflut bewältigen  - Vortrag und Podiumsdiskussion beschäftigen sich mit Herausforderungen einer digitalisierten Wirtschaft und Gesellschaft
 
„Der Handel war immer schon die verbindende Kraft über unterschiedliche Kulturen hinweg“, sagte Professor Armin Nassehi beim Kongress Länderrisiken von Coface. Dabei spiele Vertrauen eine große Rolle. Der Keynote-Speaker des Kongresses stellte dabei eine interessante Gegenläufigkeit fest, die sich gerade heute im Zeitalter von Digitalisierung, Big Data und Industrie 4.0 wieder zeige. Hier die Globalisierung der Informationswelt und Wirtschaft, da erkennbare Bestrebungen zur Regionalisierung, etwa durch Protektionismus. Hier die Informationsflut in Echtzeit, da die Reduktion der Komplexität mit der Folge von Vertrauen als Entscheidungskriterium.
 
Beziehungen und Geschäfte, so Prof. Nassehi, sind eben auch möglich, ohne das Gegenüber auch kulturell verstehen zu müssen oder alle möglichen Informationen ausgewertet zu haben. „In komplexen Situationen neigen wir zu starker Vereinfachung“, sagte der Soziologe von der Ludwig-Maximilians-Universität in München. So gewinne das Vertrauen an Bedeutung. „Vertrauen heißt vieles auszublenden. Das ist der analoge Blick auf die komplexe digitale Realität.“ Von daher müsse die Frage „neuer Nationalismus oder digitale Weltgesellschaft“ mit einem „und“ beantwortet werden.
 
Komplexität reduzieren
Dabei redete Prof. Nassehi keineswegs blindem Vertrauen oder der Resignation vor der Datenflut das Wort. Es gehe darum, komplexe Informationen zu reduzieren und anwendbar zu machen, sagte er in der anschließenden Podiumsdiskussion. Moderator Carsten Knop, Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung und Unternehmen bei der FAZ hatte gefragt: „Wie lässt sich Vertrauen aufbauen?“ „Nur durch Praktiken, die nicht das Trennende betonen“, antwortete Prof. Nassehi. „Wir brauchen die Informationen, müssen sie aber auf das Wesentliche reduzieren. Im Grunde ist es das, was Coface im Risikomanagement macht.“
 
„Unternehmen müssen sich auf die zunehmende Komplexität einstellen“, lenkte Christoph Haar, Vice President Business Development & Marketing der Schenck Process Group, den Blick auf den unternehmerischen Alltag. Sein Unternehmen, das mehr Mitarbeiter im Ausland hat als in Deutschland, bündele seine Kompetenz nicht in Deutschland. „Es geht darum, Kompetenzen zum Beispiel auch aus China heraus in andere Märkte zu tragen.“ Dabei sei zwar Vorsicht geboten, etwa um nicht wertvolles Know-how preiszugeben oder sich selbst Wettbewerber aus dem Mitarbeiterbestand heraus zu schaffen. Aber die neuen Möglichkeiten der Digitalisierung böten auch Chancen, etwa im Bereich der Kundenbindung im After Sales-Bereich.
 
Vertrauen in China?
China, das steht für Dr. Kristin Shi-Kupfer fest, betreibt die Digitalisierung der Wirtschaft ganz aktiv. Die Leiterin des Fachbereichs Politik, Gesellschaft, Medien beim Mercator Institute for China Studies (MERICS) stellte fest: „China betreibt Protektionismus in eigener Sache, fordert aber die weitreichende Öffnung der Markteilnehmer auf der anderen Seite.“ Von daher müssten die Unternehmen, die auf dem zweifellos attraktiven Markt arbeiten wollen, das Risiko neu abwägen. Das gelte keineswegs nur für IT-Unternehmen. Interessanter Weise stünden chinesische Unternehmen in Europa dem IT-Protektionismus der Regierung durchaus kritisch gegenüber.
 
Volkswirtschaftlich steht China nach Ansicht von Dr. Kristin Shi-Kupfer vor der Herausforderung, das Wachstumsmodell umzustellen. Nach dem Exportboom rücke die Binnenwirtschaft in den Vordergrund. Hindernisse bildeten dabei die hohe Verschuldung und Kreditprobleme der Unternehmen. So lange die Regierung aber das zentrale Versprechen „Wir schaffen Wachstum und Wohlstand“ erfüllen könne, gehe alles gut. „Aber was, wenn nicht mehr?“ Digitalisierung und Industrie 4.0 seien für China ein wichtiger Schritt vom Low-Tech zum High-Tech-Land. „China versucht hier den Quantensprung“, stellte Dr. Kristin Shi-Kupfer fest. Den Wechsel von den traditionellen in neue Industrien hat auch die Schenck Process Group in China festgestellt. „Wir selbst müssen da auch umschwenken“; sagte Christoph Haar.. „Die Wertschöpfungskette zu optimieren, ist ein ständiges Thema.“
 
Sparkassen gefordert
Wenn sich Geschäftsprozesse der Unternehmen dramatisch verändern, bringt das auch für die Finanzwirtschaft Veränderungen mit sich. „Ja, das fordert uns heraus“, bestätigte Ernst-Josef Mesterom, der beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband für das internationale Firmenkundengeschäft zuständig ist. Einerseits werde die Kundenbetreuung durch die Digitalisierung schwieriger. Andererseits überlebe in der digitalisierten Wirtschaftswelt mit dem Akkreditiv ein geradezu archaisches Produkt, das über Papier abgewickelt wird. Ein Beispiel für das von Prof. Nassehi festgestellt analoge Vergalten in einer digitalen Umwelt?
 
„Wir kennen unsere Kunden auch aufgrund des Regionalprinzips sehr gut, spannend wird es, wenn sie ins Ausland gehen“, formulierte Josef-Ernst Mesterom die besondere Herausforderung. Anders als Geschäftsbanken können Sparkassen nicht selbst im Ausland aktiv werden. „Wir können unsere Unternehmenskunden nur über Kooperationen oder Partner im Sparkassenverbund begleiten.“ Das sei unbedingt nötig, „denn wir können nicht zuschauen und nichts tun, wenn unsere Kunden ins Ausland gehen“.
 
Sichert Bildung Jobs
Eine zentrale Rolle messen alle Diskutanten der Bildung bei. Deutschland investiere noch viel zu wenig, kritisierte Ernst-Josef Mesterom. „Im Hinblick auf die Digitalisierung haben wir riesen Probleme vor uns.“ Zumal Deutschland als Hochpreisland auf gut ausgebildete Menschen angewiesen bleibe. Dabei ist das Duale Ausbildungssystem durchaus zum Exportschlager geeignet. „China hat Interesse an diesem System“, bestätigte Dr. Kristin Shi-Kupfer. Die universitäre Ausbildung sieht Prof. Nassehi dagen im 19. Jahrhundert stecken geblieben. „Die Strukturen sind zu sehr auf Einzelfächer konzentriert, wir müssen aber Antworten auf die Komplexität finden.“ Akademische Innovationen, beklagte der Wissenschaftler, kämen mehr aus den Unternehmen als aus den Universitäten.
 
Kostet die Digitalisierung Arbeitsplätze? Werden Menschen von Maschinen ersetzt? Diese abschließenden Frage von Moderator Carsten Knop treib den Teilnehmern keineswegs die Sorgen falten auf die Stirn. „Ja, direkt können Stellen wegfallen, es werden aber auch neue hervorgebracht“, erwartet Prof. Armin Nassehi, ebenso wie Dr. Kristin Shi-Kupfer. Notwendig sei – Stichwort Bildung und Ausbildung – die Anpassung an neuen Erfordernisse. Christoph Haar ist sicher, dass sich eher das Profil der Arbeitsplätze verändern wird. „Die Weiterentwicklung wird Arbeit bringen, die wir noch gar nicht kennen“, erwartet auch Ernst-Josef Mesterom.

Keynote Speaker Armin Nassehi

Keynote Speaker Armin Nassehi

Armin Nassehi, geb. 1960 in Tübingen, ist in München, Teheran und Gelsenkirchen aufgewachsen. Er studierte Erziehungswissenschaften, Philosophie und Soziologie in Münster und Hagen.

 

1992 promovierte Armin Nassehi zum Dr. phil. in Soziologie, zwei Jahre später erfolgte seine Habilitation. Er ist seit 1998 Professor für Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München und forscht vor allem darüber, wie in komplexen Situationen Entscheidungen generiert werden und wie unterschiedliche Perspektiven der Gesellschaft in Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Medien und Kultur aufeinander treffen.

 

Neben seiner akademischen Tätigkeit ist Nassehi als Redner und Berater in verschiedenen Branchen und Organisationen tätig. 

Kongress Länderrisiken 2014

Unser Thema 2014: Die Welt im Umbruch - dem Druck standhalten

 
Mit gut 500 Teilnehmern war der „Kongress Länderrisiken 2014“ nicht nur gut besucht. Die Gäste gaben auch ein sehr positives Feedback zum Programm mit Vorträgen, Podiumsdiskussionen und Workshops. Hauptredner war Prof. Günter Verheugen, früherer Vizepräsident der EU-Kommission, heute Honorarprofessor an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder.
Vertrauensverlust, keine Dynamik in der Integration, offensichtliche Interessengegensätze, wachsende Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Er malte kein sonderlich positives Bild von der aktuellen Verfassung der Europäischen Union. Dabei ist er einer der programmatischen Treiber der EU und war selbst einer Ihrer Spitzenpolitiker. Und an seiner positiven Grundeinstellung zu Europa – „das übrigens mehr ist als die EU“ – lässt er auch keine Zweifel. Aber: „Bürokratiemonster, Technokraten, Geldverschwendung – wer denkt da nicht an die EU?“, fragte Prof. Verheugen.
Ist die Finanz- und Wirtschaftskrise vorbei? Für Prof. Verheugen nicht, auch wenn die EU-Kommission „ja“ sage und dies als Erfolg für sich verbuchen wolle. „Die Staatsschuldenkrise ist längst nicht gelöst. Beim nächsten Konjunktureinbruch werden wir große Probleme bekommen.“ Transferleistungen blieben noch lange nötig. Sie seien aber für Deutschland „absolut erträglich“. „Die Kosten der Integration sind für Deutschland wesentlich günstiger als Kosten einer Nicht-Integration.“
 
Druck durch Globalisierung
Wenn von der „Globalisierung der Wirtschaft“ die Rede ist, geht es nicht mehr nur um Export und Investition, Absatzmärkte und Produktionsstandorte, Freihandel oder Protektionismus. Zunehmend gewinnen geopolitische und sozioökonomische Entwicklungen an Bedeutung. Wie können Unternehmen diesem Druck insgesamt standhalten? Dieser Frage ging eine Podiumsdiskussion nach. Ebenfalls ein Aspekt: der Druck innerhalb Europas.
„Die Globalisierung ist volks- und betriebswirtschaftlich alternativlos“, sagte Prof. Armin Nassehi. Für den Soziologen an der LMU München werden nun aber die damit einhergehenden qualitativen Veränderungen deutlich. „Die Globalisierung macht das Leben zugleich schwieriger, weil wir alle Veränderungen in Echtzeit erleben und kaum Zeit für Entscheidungen bleibt.“ Umso wichtiger seien Kommunikation und die klassischen Werte des „ehrbaren Kaufmanns“. „Wir brauchen nicht einfach immer mehr Daten, sondern auch Menschen in Unternehmen, die andere verstehen und Entwicklungen einschätzen können.“
Eine Sicht, die Dr. Heike Wenzel-Däfler teilt. Die Geschäftsführende Gesellschafterin des mittelständischen Maschinenbauers Wenzel Group skizzierte Schwierigkeiten, die Unternehmen ständig lösen müssten. „Die Globalisierung ist letztlich auch sehr teuer.“ Sie erfordere Präsenz in den Ländern, Expertenwissen und ständige technische Innovationen. Der Abbau politischer und rechtlicher Hürden, zum Beispiel durch Freihandelsabkommen, könne den Druck abbauen, der auf international tätigen Unternehmen insgesamt laste. Als gefährlich erachtet es Dr. Guntram B. Wolff, Director in der „Denkfabrik“ Bruegel, wenn darin nachgelassen werde, die Globalisierung gestalten zu wollen. Angesichts der Krise in Europa vermisst er auch in Deutschland und Frankreich den Glauben an die Notwendigkeit der europäischen Integration. „Deutschland lebt in einer gewissen Illusion der Stärke, dabei hat es nur ein Prozent der Weltbevölkerung. Deutschland braucht den europäischen Rahmen.“
 
Mehr als versichern
„Kreditversicherung ist viel mehr als versichern.“ Dies verdeutlichte Jochen Böhm in einer Talkrunde. „Wir möchten klarmachen, dass Kreditversicherung viel mehr aktives Risikomanagement ist denn reine Schadenversicherung.“ Mit Jochen Böhm war Beat Habegger, Head Political Risk und Vice President Group Risk Management bei Swiss Re, Gesprächspartner von Armin Häberle (Frankfurt Business Media) zum Thema Länderrisiken.
„Ein Risiko ist nur schlecht, wenn ich es nicht einschätzen und kalkulieren kann“, sagte Jochen Böhm. Das sei die Aufgabe eines Kreditversicherers als Teil des Finanzrisikomanagements eines Unternehmens. Grundlage ist ein internationales Netzwerk, über das Informationen beschafft und ausgewertet werden. Und zwar auf der makroökonomischen Ebene, bezogen auf Länder und Branchen, sowie auf der mikroökonomischen Ebene in der Betrachtung einzelner Unternehmen.
„Wie steht es um die Prognosefähigkeit?“, wollte Armin Häberle wissen. „Den arabischen Frühling hat keiner kommen sehen?“ Tatsächlich gebe es für politische Risiken, anders als für Naturrisiken, keine ausgefeilte Methodologie, räumte Beat Habegger ein. „Man muss aber die Indikatoren kennen und beobachten. Bei den arabischen Ländern gab es viele Anzeichen, die Warnung sein konnten.“ Jochen Böhm nannte zwei Kriterien, die Coface herausgearbeitet hat, um politische und gesellschaftliche Veränderungen zwar nicht vorherzusagen, aber als Indikatoren zu beobachten. „Das eine sind die existierenden Druckfaktoren in einem Land: Armut, Ungleichheit, Repression und so weiter. Das andere sind die Möglichkeiten, dem Unmut Luft zu verschaffen und Veränderungen aktiv herbeizuführen: Vernetzung, Kommunikationsmöglichkeiten, auch Bildung.“
 
Schlagkräftiges Team
Dr. Dirk Bröckelmann hatte diese Diskussion mit einem Überblick über die aktuellen Coface-Länderbewertungen eingeleitet. Als Regional Economist hatte er erstmals diesen Vortragspart übernommen und zudem im Workshop Russland das Eingangsstatement gehalten. Ebenfalls erstmals auf der Länderkongress-Bühne: Téva Perreau, der die Teilnehmer in deutscher Sprache begrüßte und Sympathiepunkte sammeln konnte. Dr. Thomas Götting vertrat die blau-grünen Farben im Workshop Kreditversicherung. Daneben beteiligten sich etliche Kolleginnen und Kollegen in Workshops und Praxisrunden. Organisiert wurde der Kongress wie immer vom Team aus Marketing und Kommunikation in Zusammenarbeit mit dem FAZ-Institut.

Keynote Speaker

Keynote Speaker

Prof. Günter Verheugen

 

Er war als Vizepräsident der Europäischen Kommission mit Zuständigkeit für Unternehmen und Industrie mitten drin im wirtschaftlichen und politischen Spannungsfeld von Unternehmen, Branchen, Volkswirtschaften, Europäischer Gemeinschaft und Weltwirtschaft.

 

Auf nationaler Ebene sammelte er Erfahrungen in mehreren Ministerien, in zwei Parteien (FDP und SPD) und im Bundestag. Nach zwei Jahren als Staatsminister im Auswärtigen Amt wechselte Professor Günter Verheugen 1999 in die Europäische Kommission. In einer spannenden Phase war er bis 2004 zunächst für die EU-Erweiterung zuständig, von 2004 bis 2010 dann als Vizepräsident der Europäischen Kommission für Unternehmen und Industrie.

 

Seit Februar 2010 lehrt er als Honorarprofessor an der Europa-Universität Viadrina, Frankfurt/Oder.

Kongress Länderrisiken 2013

Unser Thema 2013: Leistungsfähig im internationalen Wettbewerb

Das Perpetuum Mobile der Globalisierung hat deutlich an Schwung verloren: Den Geldpumpen in Washington, Tokio und Frankfurt droht der Infarkt, die aufstrebenden Industriestandorte suchen sich neue Absatzmärkte, Wissen löst Rohstoffe als Engpassfaktor ab. Doch die Globalisierung hat noch nicht ausgedient: Der Drang nach freiem Austausch von Informationen und Waren treibt die Weltwirtschaft weiter an. Unterschiedliche kulturelle und technische Standards wetteifern um die Vorherrschaft. Deutsche Unternehmen haben sich in diesem Wettbewerb hervorragend positioniert. Nun gilt es, die Grundlagen dieses Erfolges zu sichern.
 
Der siebte Kongress Länderrisiken stellte sich den Herausforderungen des internationalen Wettbewerbs erstmals im sportlichen Ambiente der Coface Arena in Mainz. Prof. Dr. Max Otte erläuterte in einer Keynote zu „Cash oder Crash“ die aktuellen Aussichten für die Weltwirtschaft. In der sich anschließenden Diskussionsrunde diskutierte er mit Unternehmern über die Krise der Industrieländer, die neuen Wachstumsmärkte und die daraus resultierenden Strategien international aufgestellter Unternehmen.
 
In zwei Workshop-Runden wurden die aktuellen Rahmenbedingungen in aussichtsreichen Absatzmärkten und wichtige Themen des internationalen Geschäfts vertieft. Abschließend gab Coface-Chefvolkswirt Yves Zlotowski einen Überblick über seine Einschätzung der Länderrisiken. Teilnehmer nutzten die Expertise von Referenten, nahmen Kontakt zu den hochkarätigen Teilnehmern des Kongresses auf und ließen sich von der belebenden Atmosphäre einer der führenden deutschen Außenwirtschaftsveranstaltungen anregen.

Keynote Speaker

Keynote Speaker

Prof. Dr. Max Otte

 

Professor für allgemeine und internationale Betriebswirtschafts- lehre an der FH Worms und Leiter der von ihm 2003 gegründeten IFVE Institut für Vermögensentwicklung GmbH in Köln.

 

Im Frühjahr 2011 folgte er zudem einem Ruf an die Karl-Franzens-Universität Graz. Bekannt wurde Max Otte 2008, nach dem Ausbruch der Finanzkrise, vor der er bereits 2006 in seinem Bestseller „Der Crash kommt“ warnte.

 

Im Januar 2012 referierte er auf dem Colloque Risque Pays von Coface in Paris über die Schuldenkrise in Europa, die er als weniger gravierend als die in den USA und Japan einstufte.

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