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19.10.2012
Länder- und Branchenbewertungen, Spezial

Argentinien erschwert den Devisenzugang

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Das Geschäftsumfeld in Argentinien hat sich nach Einschätzung von Coface im Sommer 2012 deutlich verschlechtert – Bewertung herabgesetzt von B auf C.

Die Konjunkturabkühlung in Argentinien fällt 2012 deutlich aus, da die Wirtschaft sensibel auf das weltwirtschaftliche Umfeld reagiert. Die Nachfrageschwäche der wichtigsten Handelspartner, vor allem Brasiliens, trifft die Exporte und damit die Textil- und Autoindustrie. Auch die Landwirtschaft (10% des BIP, 20% der Exporte) leidet unter geringeren Weltmarktpreisen und langer Trockenheit. Der Inlandskonsum wird von den starken Preissteigerungen belastet, auch wenn die Argentinier, vor allem im formellen Sektor, an hohe Inflationsraten gewöhnt sind und sich zu schützen wissen. Dafür sorgen unter anderem einige inflationsgeschützte Löhne und Preise. Die Unternehmensinvestitionen in Branchen wie Energie und Transport leiden unter den zunehmenden Regierungseingriffen in Preise und Devisentransaktionen. Die Verstaatlichung des Ölunternehmens YPF, einer Tochter der spanischen Repsol, dürfte zudem die internationalen Investitionen kaum fördern.

Überschüsse schwinden

Nachdem der Staatshaushalt bereits seit 2009 keinen Überschuss mehr ausweist, droht 2012 auch ein Defizit in der Leistungsbilanz. Auch wenn die Staatsverschuldung nur 45% des BIP beträgt, ist diese Entwicklung beunruhigend. Die Staatseinnahmen leiden unter zahlreichen Ausnahmen und sind stark von den Zolleinnahmen abhängig. Dagegen steigen die Staatsausgaben schnell an, weil die Subventionen mit der Zunahme der Rohstoffpreise wachsen und die Gehaltsentwicklung im öffentlichen Dienst an die Inflationsrate gebunden ist.

Der argentinische Staat hat seit dem Zahlungsausfall auf seine bilateralen Schulden gegenüber den Ländern des Pariser Clubs faktisch keinen Zugang zum internationalen Kapitalmarkt. Lediglich mit extrem hohen Zinsen sind Anleger zum Kauf argentinischer Staatsanleihen zu bewegen. Daher finanziert die Regierung ihr Budgetdefizit mit unorthodoxen Mitteln wie dem Zugriff auf die Reserven der Zentralbank oder der Sozialversicherung.

Das Schwinden des Leistungsbilanzüberschusses durch die Verringerung des Handelsbilanzüberschusses ist ebenfalls problematisch. Die Importe nehmen schneller zu als die Exporte. Insbesondere die Preiskontrollen für Elektrizität und Mineralölprodukte bremsen die Investitionen in die Erschließung der vorhandenen Reserven. Daher ist die Außenhandelsbilanz im Energiebereich defizitär.

Die Wettbewerbsfähigkeit verarbeiteter Produkte ist durch die reale Aufwertung des Peso gesunken. Der Handelsbilanzüberschuss reicht nicht mehr aus, um den Kapitalabfluss zu kompensieren. Die Kapitalflucht erreichte 2011 bereits 21,5 Mrd USD und hält angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheit auch 2012 an.

Import- und Devisenkontrollen

Im Juli 2011 erhöhte die Regierung die Zahl der lizenzpflichtigen Importprodukte auf 600, deren Einfuhr an die Verpflichtung gebunden ist, Exporterlöse in Höhe des Importwerts zu erwirtschaften. Im Dezember wurden Importeure verpflichtet, ihrer Bank den Devisenbedarf zehn Tage im Voraus mitzuteilen.

Seit dem 1. Februar 2012 benötigen sie für ihre Importe zudem eine Genehmigung der Steuerbehörde AFIP. Schließlich wurde mit ausländischen Automobilherstellern vereinbart, dass diese einen größeren Teil ihrer Gewinne im Land reinvestieren. Durch all diese Maßnahmen entstehen Zahlungsverzögerungen.

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