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23.05.2013
Länder- und Branchenbewertungen, Kongress Länderrisiken

Begeisterung für Europa wieder wecken

Teilnehmer des ersten Panels des Kongress Länderrisiken 2013
Wie behaupten sich Unternehmen im aktuell krisenhaften Umfeld? Gibt es Probleme bei der Finanzierung? Welche Rolle spielt die Politik? 

Die Konjunktur entwickelte sich in Europa auch im ersten Quartal 2013 weiter negativ, sagte Moderator Carsten Knop, Leitender Redakteur Unternehmen bei der FAZ. Zudem gebe es in einigen Ländern sehr hohe Arbeitslosigkeit. „Wie positioniert man sich in diesem Umfeld? Investieren Sie noch?“, fragte Carsten Knop die beiden Vertreter mittelständischer Unternehmen im Panel. Von Resignation keine Spur. „Wir haben mitten in der Krise in Spanien ein Fabrikationsunternehmen gekauft. Wir haben ein Bauvorhaben am Stammsitz gestartet. Wir verzeichnen Zuwächse in Spanien, Italien und Großbritannien und gründen Gesellschaften im Ausland“, zählte Dr. Gunther Wobser, Geschäftsführender Gesellschafter,  für sein Unternehmen auf. Die LAUDA Dr. R. Wobser GmbH und Co. KG behaupte sich in der Krise nicht nur. Sie könne ihre Wettbewerbsposition sogar ausbauen. Die Grundlage dafür: eine starke eigene Finanzbasis mit 50 Prozent Eigenkapitalquote.

Dr. Wobser bestätigte damit eine Erwartung, die Yves Zlotowski in seinem Vortrag beim Kongress äußerte. Der Coface-Chefökonom sieht die deutschen Unternehmen im Vergleich zu europäischen Wettbewerbern stark aufgestellt und widerstandsfähiger gegen Krisen. Das trifft offensichtlich auch auf die Phoenix Contact GmbH und Co. KG zu. Deren Leiter Vertrieb, Frank Stührenberg, sagte, dass sein Unternehmen eigenfinanziert investieren könne und das auch tue. „Wir bauen unsere Position auch in der Krise aus. Wir finden auch in Spanien gute Gelegenheiten. Wir investieren in ein Werk in Griechenland. Dort ist die Kostenrelation erstmals günstiger als zum Beispiel in Polen.“ Schon früher sei Phoenix in Märkte gegangen, als in Deutschland die Situation nicht optimal war. So Anfang der 90er Jahre in einer rezessiven Phase nach Indien und China oder nach dem Platzen der Dotcom-Blase 2002 nach Russland. „Alles große Märkte heute“, bilanzierte Frank Stührenberg.

Nicht alle Unternehmen können Investitionen über Eigenmittel finanzieren. Carsten Knop fragte deshalb nach der aktuellen Rolle der Banken. Nehmen die ihren Kreditauftrag noch wahr? Die Banken in Deutschland hätten in der Vergangenheit nach eigenem Empfinden Kredite zu billig verkauft, gemessen an ihren Margen im Anlagegeschäft, sagte Prof. Dr. Udo Steffens. Der Präsident der Frankfurt School of Finance & Management sieht nun eine gewisse Umkehr im Kreditgeschäft: „Sie versuchen nun, da die Kapitalmarkt-Einkünfte schrumpfen, die Kreditmargen zu verbessern.“ Insgesamt stünden die Kreditinstitute vor einer „Dekade der strukturellen Veränderungen“. Aufgrund der Regulierungen seien deutsche und europäische Banken eher vorsichtig, die amerikanischen Institute agierten wieder viel offensiver.

Dieser Systemkonflikt werde weiter zunehmen, erwartet Prof. Max Otte. „Das kreditbasierte System war mit Blick auf die Unternehmen das beste, was wir haben konnten.“ Die US-Banken würden eher noch aggressiver werden im Verhalten, stimmte er Prof. Steffens zu.  Prof. Otte kritisierte die „unerträgliche Verrechtlichung und Regulierungswut“. Regulierung dürfe sich nicht an der Quantität der Regeln messen. “Wir brauchen die richtigen Regeln.“

„Wir beobachten aufmerksam, was sich bei den Banken tut“, sagte Frank Stührenberg, „weil sich daraus für unsere Abnehmer Folgen ergeben können.“  So gebe es derzeit einen Stau bei Projekten in Russland wegen der Finanzierung der Kunden. Mehr Sorgen macht er sich aber beim Blick auf die politische Ebene. Die Verunsicherung komme zu einem großen Teil aus der Politik und der Finanzwirtschaft, bestätigte Prof. Steffens. Unternehmerische Möglichkeiten würden heutzutage oft wegen rechtlicher Bedenken nicht genutzt. „Elan und unternehmerischer Mut werden so stark gebremst.“ Das sieht auch Dr. Wobser so: „Die regulatorischen Anforderungen werden immer schlimmer.“

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