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02.05.2018
Länder- und Branchenbewertungen, Spezial

Risiken: Verschuldung und Politik

Berichte-vom-Kongress-Länderrisiken-2018-von-Coface

Die politischen und wirtschaftlichen Risiken in der angespannten europäischen und weltwirtschaftlichen Situation waren Thema beim Kongress Länderrisiken des Kreditversicherers Coface in Mainz. Coface-CEO Xavier Durand zeichnete in seiner Eröffnungsrede das Spannungsverhältnis von aktuellen kurzfristigen Risiken und langfristigen Wachstumschancen. Regional Risk Underwriting Director Jochen Böhm erläuterte die aktuellen Länderbewertungen von Coface.

 

Xavier Durand erinnerte in seiner Eröffnungsrede des Kongresses an die Überraschungen des vergangenen Jahres. Dau zählte der Coface-CEO die lange Dauer der Regierungsbildung in Deutschland, die Heftigkeit der Auseiendersetzung um die Unabhängigkeitsbewegung in Katalonien, den schleppenden Beginn und langsamen Fortschritt in den Austrittsverhandlungen zwischen Großbritannien und der EU und das überraschende Embargo Saudi-Arabiens gegen Katar. Eine Liste, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebe. Die gute Nachricht dahinter sei, dass keine dieser Ereignisse die Wirtschaft zu erschüttern vermochte, sagte Xavier Durand.

 

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Coface-CEO Xavier Durand. Foto: Stephanie Charpentier.

 

Ein großes Risiko für die weitere Entwicklung der globalen Wirtschaft und einzelner Volkwirtschaften sieht Xavier Durand in der hohen Verschuldung. Die globalen Schulden beliefen sich auf 230.000 Milliarden Dollar und seien damit doppelt so hoch wie noch vor zehn Jahren. “Wir dürfen die Risiken, die aus dieser Verschuldung erwachsen können, keinesfalls ignorieren”, mahnte Xavier Durand. Hinzu kämen die politischen Risiken. So habe sich die Anzahl der Konflikte binnen zehn Jahren verdoppelt. Und der Wert des Terror-Indexes, den Coface entwickelt hat, habe sich im gleichen Zeitraum verdreifacht. 

 

Die Rolle von Coface als Partner der Unternehmen sieht der Group-CEO auf zwei Ebenen. Die kurzfristigen Risiken zu kontrollieren: „Das ist unser tägliches Geschäft.“ Und die Unternehmen darin zu unterstützen, langfristige Wachstumschancen zu nutzen: „Das ist unser Anspruch und Ziel – Coface for Trade.“ 

 

Neben den wirtschaftlichen und politischen Risiken sieht Xavier Durand große Herausforderungen für die Unternehmen in der Digitalisierung: „Neue Player werden auf den Markt kommen, andere verschwinden.“ Entscheidend werden nach seiner Ansicht aber die Menschen bleiben: „Durch menschliche Entscheidungen werden Risiken zu Chancen und Chancen zu Risiken.“ Dies gelte für die Unternehmen wie für die Politik. Eine Aufgabe von Coface sei es, die Risiken zu erkennen, zu erklären und darauf agil zu reagieren. „Wir wollen der agilste Kreditversicherer weltweit werden“, unterstrich Xavier Durand die Zielsetzung aus dem Coface-Strategieplan „Fit to Win.“

 

Mehr Herauf- als Herabstufungen in den Coface-Länderbewertungen zeigten, dass sich die internationale Wirtschaft derzeit in einem recht stabilen Zustand befinde, sagte Jochen Böhm. Der Regional Risk Underwriting Director der Coface für Nordeuropa unternahm „eine kleine Weltreise durch die Länderrisiken“: „Trotz politischer Störfeuer nimmt die Weltwirtschaft eine positive Entwicklung.“ 

 

Im Kontext anziehender Rohstoffpreise hätten sich viele Lieferländer wieder vom Schock des Preisverfalls erholt. Dieser Schock sei deutlich spürbar gewesen, etwa in Saudia-Arabien. „Von dort gab es nie Zahlungsprobleme“, erinnerte Jochen Böhm. „Doch zuletzt häuften sich die Meldungen, auch weil die staatlichen Unternehmen nicht pünktlich bezahlten.“ Das finanzkräftige Land, das auch Investitionen zurückgefahren hat und an der Steuerschraube dreht, ist in der Coface-Länderbewertung nur in der Kategorie C und damit schlechter bewertet als im Nahen Osten Ägypten (B) oder Kuwait (A3). Von der BRIC-Ländern sieht Coface Brasilien und Russland leicht erholt, wobei Russland von den Sanktionen nicht wirklich ernsthaft getroffen worden sei.

 

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Jochen Böhm (Coface). Foto: Stephanie Charpentier.

 

„In der EU ist wieder Leben drin“, sagte Jochen Böhm mit Blick auf die wichtigen deutschen Absatzmärke vor der Haustür. Besonders Spanien und Portugal hätten erkennbare Fortschritte gemacht. Beide Länder haben bei Coface wieder die zweitbeste Bewertung A2. 

 

Allerdings machte der Risikospezialist auch Schatten über den deutschen Unternehmen und Sand im Getriebe der wirtschaftlichen Entwicklung aus: Fachkräftemangel, Demografie, Infrastruktur, die Zinspolitik, Protektionismus, politische Spannungen. „Schon die Diskussion über einen möglichen Handelskrieg schadet“, stellte Jochen Böhm fest. Auch wenn ein Land oder eine Branche nicht direkt von Zöllen betroffen sein sollte, bekomme es Auswirkungen zu spüren, weil die Produkte andere Wege suchten und womöglich auf andere Märkte schwemmten. Stahl aus China nannte er als Beispiel. Könnten die Chinesen Stahl nicht mehr im bisherigen Umfang in den USA absetzen, weil Trump die dortige Stahlindustrie schützen wolle, käme noch mehr Stahl auf den europäischen Markt und drücke hier auf die Preise und damit Margen auch der deutschen Produzenten. Auch den Brexit werde die deutsche Wirtschaft zu spüren bekommen, wenn auch nicht so heftig wie die britische Wirtschaft selbst. „Wir erleben bereits, dass bei uns die Zahl der Nichtzahlungsmeldungen stark steigt und sehen größer Insolvenzen, vor allem am Bau und im Einzelhandel“, sagte Jochen Böhm.

 

Artikel: Keynote zum Brexit!

 

Artikel: Podiumsdiskussion!

 

Mehr zu den Updates der Länder- und Branchenbewertungen im Coface-Barometer zum Download ("Siehe auch").

 

Die Coface-Risikoweltkarte gibt es ebenfalls zum Herunterladen ("Siehe auch").

 

Alle Länder- und Branchenbewertungen finden Sie hier: Zur Webseite!

Presseveröffentlichung herunterladen : Risiken: Verschuldung und Politik (299,74 kB)

Kontakt


Erich HIERONIMUS

Pressesprecher
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