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09.01.2018
Länder- und Branchenbewertungen, Pressemeldung

Türkische Wirtschaft wächst kräftig

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  • Die türkische Wirtschaft legtein den ersten drei Quartalen 2017 ein deutliches Wachstum hin und übertraf die Erwartungen trotz der Schocks in 2016 deutlich.
  • Zum Wachstum trugen staatliche Maßnahmen, höhere Investitionen, steigende Exporte und die Erholung des privaten Verbrauchs bei.
  • Die wesentlichen Schwachpunkte: Finanzierungsprobleme, zunehmende Abhängigkeit von globalen Finanzinvestoren, schwankende Wechselkurse und steigende Inflation.

 

Anhaltendes Wachstum übertrifft Erwartungen
Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum wuchs die türkische Wirtschaft in den ersten drei Quartalen 2017 um 7,4 Prozent. Dies gelang trotzt der Schockserie im Vorjahr. Die 11,1 Prozent Plus im dritten Quartal im Vergleich zum dritten Quartal 2016 sind der größte Zuwachs aller G-20-Länder. Zum Wachstum trugen staatliche Maßnahmen, höhere Investitionen, steigende Exporte und die Erholung des privaten Verbrauchs bei.

 

Einer der größten Treiber war der Credit Guarantee Fund (CGF), mit dem die Regierung kleine und mittlere Unternehmen unterstützt. Sein Volumen wuchs auf fast 64 Mrd. Dollar (250 Mrd. Türkische Lira) an. Über den Fonds wirkt der Staat faktisch als Garantiegeber für Kredite.

 

Auch die Investitionen stiegen in den ersten neun Monaten 2017 deutlich an, gegenüber den 2,7 Prozent von Januar bis September 2016 auf plus 7,9 Prozent. Dazu trugen auch die Bauinvestitionen bei, die im dritten Quartal um 12 Prozent stiegen, und vor allem die plus 15,3 Prozent Investitionen in Maschinen und Ausrüstungen. Dies ist ein wichtiger Indikator für anziehende Produktion. Auch der private Konsum legte zu, besonders für langlebige Verbrauchsgüter. Hier wirkten Steuersenkungen, unter anderem für weiße Haushaltsware stimulierend. Auch der Export von Waren und Dienstleistungen, der einen Zuwachs um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zeigte, trug stark zum Wachstum der türkischen Wirtschaft bei.In diesem insgesamt positiven Umfeld dürfte das Wachstum des privaten Konsums auch in der ersten Jahreshälfte 2018 anhalten. Die Regierung wird angesichts der bevorstehenden Präsidentschafts- und Parlamentswahlen 2019 an ihrer Stützungspolitik für die Wirtschaft festhalten und weitere Maßnahmen beschließen.

 

Externe Schwankungen dürfen nicht unterschätzt werden

Trotz der positiven Prognosen bleibt die türkische Wirtschaft anfällig. Besonders das strukturelle Finanzierungsdefizit ist eine große Gefahr. Das CGF-Programm stimulierte die Banken zu Kreditvergaben, das Kredit-Einlagen-Verhältnis stieg in der zweiten Jahreshälfte 2017 auf 125 Prozent. Damit steigen nicht nur die direkten Bankrisiken, sondern auch die Wechselkursrisiken. Die Türkei ist damit anfälliger für Währungsschwankungen. Das Problem könnte auch die Investitionsbereitschaft, besonders von ausländischen Geldgebern dämpfen. Die Situation könnte sich zuspitzen, wenn die Türkei noch mehr kurzfristiges Kapital aufwenden müsste, um das externe Defizit zu finanzieren. So würde sich auch die Abhängigkeit von globalen Finanzinvestoren und wiederum das Risiko von Wechselkursschocks erhöhen.

Vor diesem ökonomischen Hintergrund und aufgrund der Schwäche der türkischen Lira gegenüber dem US-Dollar und dem Euro wird die Inflation voraussichtlich steigen. Die Abwertung der Lira seit September dürfte den Inflationsdruck auf Verbraucherpreise und Produktionskosten weiter erhöhen. Steigende Preise und Steuern in Verbindung mit einer schwächeren Landeswährung würden die Kaufkraft schwächen und den privaten Konsum bremsen.

 

Mehr Infos zur aktuellen Situation der türkischen Wirtschaft im Coface-Focus zum Download auf dieser Seite.

 

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Erich HIERONIMUS

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