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09.01.2017
Länder- und Branchenbewertungen, Pressemeldung

Tulpenzeit in Türkei vorbei

Coface:-Schocks-schütteln-türkische-Wirtschaft
  • Coface erwartet Wirtschaftswachstum von 2,5% 2016 und 2,7% 2017
  • Staatsausgaben wohl ein Haupttreiber für Wachstum in 2017
  • Währungsrisiken und anhaltendes Leistungsbilanzdefizit größte Probleme
  • Schwache Lira bremst privaten Konsum
  • Einzelhandel: Risiken beschleunigen sich durch lahmende Inlandsnachfrage, steigende Kosten und schwächere Währung

 

Risikosituation 2016 verschärft

Zunehmende politische Unsicherheit und die geschwächte Türkische Lira tragen dazu bei, dass die türkische Wirtschaft nur mehr gebremst wächst. Die Risiken nahmen 2016 weiter zu: regionale Spannungen, größere Sicherheitsprobleme im Land, der gescheiterte Putschversuch im Juli und die Herabstufung des Ratings für die Staatsbonität. Aufgrund dieser internen Schocks und internationalen Einflüsse in Verbindung mit der schwächeren Zuversicht hat sich das Wachstum 2016 weiter verlangsamt.

Die Staatsausgaben dürften 2017 einer der Haupttreiber für die Wirtschaft sein. Die geringe öffentliche Verschuldung mit nur 32,9 Prozent zum BIP erlaubt es, dass die Regierung die Geldpolitik einsetzt, um wirtschaftliche Einbrüche abzumildern. Um der nachlassenden Stimmung zu begegnen, hat die Regierung ein breites Investitionsprogramm angekündigt. Ein Reformprogramm umfasst zudem Anreize für Investitionen, Forschung und Entwicklung, Attraktivität für internationale Arbeitskräfte und Einsparungen. Zudem wurden Maßnahmen eingeleitet, um die Inlandsnachfrage anzuschieben.

 

Hauptprobleme für 2017 bleiben: Währungsrisiken und Leistungsbilanzdefizit

Ein Ausgleich des Leistungsbilanzdefizits ist schwierig, solange steigende Risiken wahrgenommen werden. Zugleich dämpft die schwache Lira die privaten Ausgaben und damit den wichtigsten Wachstumstreiber der türkischen Wirtschaft. Die negative Entwicklung wird verstärkt durch weitere Faktoren wie die Spannungen an der Grenze zu Syrien, steigende Kreditzinsen und anziehende Inflation. Auch das veranlasst Verbraucher, Ausgaben zu verschieben. Entscheidend für die weitere Entwicklung werden die Kapitalzuflüsse aus dem Ausland sein. Diese sanken von Januar bis September 2016 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 12 Prozent auf 26,9 Mrd. US-Dollar. Dieser Rückgang trug mit zur Abwertung der Lira um 16 Prozent gegenüber dem Euro-Dollar-Währungskorb bei. 2009, als die türkische Wirtschaft in der globalen Krise um 4,8 Prozent nachgab, waren die ausländischen Kapitalzuflüsse in die Türkei um 95 Prozent eingebrochen.

„Obwohl die aktuelle Situation weit von diesem Szenario entfernt ist, wird der Kapitalzufluss 2017 entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung sein. Die Türkei ist weiter attraktiv für ausländische Fonds, inwieweit das anhält, hängt aber auch wesentlich vom Geschäftsumfeld und den Entwicklungen an den globalen Finanzmärkten ab“,erklärt Seltem Iyigün, Coface-Economist für die MENA-Region.

 

Einzelhandel und Tourismus in Schwierigkeiten

Der Einzelhandel ist ein wichtiger Faktor für das Wirtschaftswachstum in der Türkei. Die Branche blickt auf ein Jahrzehnt mit soliden Zuwächsen zurück und profitierte bei fast 80 Millionen Einwohnern von steigenden Pro-Kopf-Einkommen. Langfristig bietet die Branche weiter gute Chancen, kurzfristig hat sie aber große Probleme zu bewältigen. Zunehmende politische Konflikte, Terroranschläge, die schwache Landeswährung und steigende Inflation belasten erkennbar den Einzelhandel. Die gebremste Inlandsnachfrage dürfte 2017 anhalten, auch wegen höherer Kreditzinsen und der insgesamt schwächeren Zuversicht der Verbraucher. Auch vom Tourismus, der wegen der Sicherheitsproblematik und des angespannten Verhältnisses zu einigen Nachbarländern eingebrochen ist, sind keine Impulse für eine kurzfristige Besserung zu erwarten.

 

Mehr zur aktuellen wirtschaftlichen  Situation in der Türkei in der längeren Presse-Information und im kompletten Coface-Panorama. Beides zum Download auf dieser Seite.

Presseveröffentlichung herunterladen : Tulpenzeit in Türkei vorbei (248,17 kB)

Kontakt


Erich HIERONIMUS

Pressesprecher
Isaac-Fulda-Allee 1
55124 Mainz
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Tel. : +49 6131 323 541
E-Mail : erich.hieronimus@coface.com

Siehe auch


Panorama Türkei (Englisch)

 

 

 

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