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26.10.2018
Länder- und Branchenbewertungen, Pressemeldung

US-Zölle treffen Dritte

Coface:-US-Zölle-wirken-indirekt-auf-Drittländer

 

  • Zunehmender Protektionismus wirkt auf viele Länder, sowohl Emerging Markets als auch Industrienationen
  • USA haben Importzölle seit 2009 verdoppelt. Starker Anstieg zwischen 2016 und 2018. US-Zölle machen ein Sechstel aller protektionistischen Maßnahmen weltweit aus
  • Indirekter Effekt der höheren US-Importzölle: Exporte von Drittländern in sanktionierte Länder gehen zurück. Coface-Berechnung: 1 Prozent höherer Importzoll der USA bedeutet durchschnittlich 0,5 Prozent weniger Exporte Dritter in die sanktionierten Länder
  • Besonders betroffen von diesem Effekt: Transport (-4,4%) und Maschinenbau (-3,7%)

 

Im Verhältnis zu Regeln, die den freien Handel fördern, wurden seit 2010 deutlich mehr protektionistische Maßnahmen eingeführt. Netto sind es derzeit im Vergleich zu 2010 weltweit zweieinhalb mal mehr protektionistischen Effekte. In den meisten Industrieländern, zum Beispiel in den USA, Westeuropa, Japan, Kanada und Australien, und in den größeren aufstrebenden Ländern (Brasilien, Argentinien und Indien) bestehen für mehr Importe Hürden als Erleichterungen. Dagegen ist dieser Trend in einigen südostasiatischen Ländern (zum Beispiel Vietnam, Philippinen und Kambodscha) als auch in Russland und einigen lateinamerikanischen Ländern (inklusive Mexiko, Kolumbien und Peru) nicht erkennbar.

 

Auffallend ist der Anstieg der Importzölle. Ihre Anwendung hat sich in neun Jahren verdoppelt. Mit Stand September 2018 waren 16 Prozent aller protektionistischen Maßnahmen Importzölle. 2009 betrug der Anteil nur acht Prozent. Wenig überraschend hat sich die Anwendung von Einfuhrzöllen zwischen 2016 und 2018 in den USA besonders beschleunigt. Der Anteil an allen Regeln hat sich von 5,4 Prozent auf 12,5 Prozent mehr als verdoppelt. Gleichzeitig steigt aber auch die Zahl regionaler Handelsabkommen. Sie sind offensichtlich das bevorzugte Instrument zum Abbau von Handelsschranken sowie zur Förderung von Freihandelsnetzwerken und multinationalen Produktionsketten.

 

Der verstärkte Protektionismus, getrieben durch die US-Zollpolitik, erhöht das Risiko, dass auch zahlreiche Länder in den Beschaffungs- und Produktionsketten mit getroffen werden. So hat Coface analysiert, dass zusätzlich zu den direkten Effekten sich für 12 Branchen in 63 Ländern negative Auswirkungen auf deren Exporte ergeben. Erhöhen die USA die Zollschranke um ein Prozent für irgendein Land, führt das bei Ländern, die mit diesem sanktionierten Land in Geschäftsbeziehungen stehen, zu einem Rückgang der Exporte um 0,46 Prozent – bei ansonsten unveränderten Parametern. Allein auf verarbeitende Sektoren bezogen betrüge der Effekt 0,6 Prozent.

 

„Die indirekten Auswirkungen auf die Exporte der Länder, die mit den von den US-Zöllen betroffenen Ländern handeln, sind erheblich, wenn auch, was nicht überraschend ist, niedriger als die direkten Auswirkungen“, kommentiert Coface-Chefvolkswirt Julien Marcilly.„Dies kann auch damit erklärt werden,  dass manche Partnerländer ein Teil ihrer Exportprodukte in andere Lieferländer für die USA umleiten, die nicht von Zollschranken betroffen sind. So können Länder den Ansteckungseffekt abmildern.“

 

Die indirekten Auswirkungen treffen besonders den Transport- und Verkehrssektor (inklusive der Automobilindustrie), der intensiv in komplexe Beschaffungs-, Produktions- und Handelsketten integriert ist. Ein um einem Prozentpunkt erhöhter Zoll für die Branchen führt nach Berechnungen von Coface zu einem durchschnittlichen Rückgang der Exporte des betroffenen Landes um 4,4 Prozent. Deutschland, Japan und die USA selbst sind am stärksten von den US-Zöllen für chinesische Automotive-Exporte betroffen, weil die Nachfrage in China nach Zulieferprodukten aus diesen Ländern sinkt. Auswirkungen spüren auch der Maschinenbau, Bergbau und die Holz-Papier-Branchen mit Rückgängen von zwei bis drei Prozent. Auf den Elektroniksektor (-1,4 Prozent) in Vietnam, Südkorea, Japan, Taiwan und Thailand wirken die US-Zölle auf Einfuhren chinesischer Telefone. Geringer sind die indirekten Auswirkungen für Lebensmittel und Metalle, Chemie und landwirtschaftliche Produkte.

 

Die komplette Analyse zum Download auf dieser Seite („Siehe auch“).

 

Alle Länder- und Branchenbewertungen von Coface. 

Presseveröffentlichung herunterladen : US-Zölle treffen Dritte (391,62 kB)

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Erich HIERONIMUS

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