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29.04.2016
Kongress Länderrisiken, Pressemeldung

Risiken kennen und meistern

Coface-Kongress-Länderrisiken-2016

Welche Risiken sind relevant? Und wie gehen wir mit Ihnen um? Diese Kernfragen des Risikomanagements haben sich im Laufe der Zeit zwar nicht verändert. Ihre Inhalte verändern sich allerdings stetig. Zu konstanten Risiken kommen neue Gefährdungen hinzu. Sie erwachsen zum Beispiel aus dem technischen Fortschritt oder auch aus politischen Veränderungen. „Risiko“ bedeutet aber nicht automatisch das Aus für Geschäftsmöglichkeiten. Das wurde beim Kongress Länderrisiken von Coface in Mainz einmal mehr deutlich. „Man kann auch in Ländern mit einer schlechteren Bewertung gute Geschäfte machen und in Ländern mit einer guten Einstufung Schäden erleiden“, lenkte auch Jochen Böhm, Regional Risk Underwriting Director bei Coface, den Blick auf die möglichen Chancen – trotz Risiken.

 

Die unbekannte Unbekannte

Jochen Böhm diskutierte beim Kongress in einer „Doppelpass“-Runde mit dem Senior Regional Economist von Coface, Dr. Mario Jung, über Länderrisiken und ihre Auswirkungen auf die Unternehmen. Zuvor, in der Keynote des Tages und im Auftaktpanel, erörterten Professor Roland Franz Erben und Unternehmensvertreter die Risikovielfalt. Und die Modelle und Verfahren, mit denen Risiken gemanagt werden können. Dabei machte Prof. Erben deutlich, dass es eigentlich unmöglich sei, die heutige Komplexität voll zu durchschauen. Die „unbekannte Unbekannte“ sei in den Risikomodellen eben nicht zu kalkulieren. In der Entwicklung des Risikomanagements seit den 80er Jahren habe es wiederholt Verschiebungen zwischen proaktiven und reaktiven Elementen gegeben. „Heute sehen wir ein etwa ausgeglichenes Verhältnis dieser Komponenten und damit eher ein Chancen- und Risikomanagement“, sagte Prof. Erben, der an der Hochschule für Technik in Stuttgart Wirtschaftspsychologie lehrt.

 

 

Coface_Kongress2016_Panel

Diskussionsrunde mit, v.l.: Mauro Toldo (Dekabank), Sedat Aktas (KA-18), Prof. Roland Franz Erben, Adrian König (Jenoptik) und Moderator Carsten Knop (FAZ)

  

Startup und Konzernstruktur

In der Diskussionsrunde vor über 500 Teilnehmern wurden diese beiden Seiten der Medaille wirtschaftlichen Handelns deutlich. Während Adrian König, Chief Risk & Compliance Officer, Einblicke in das durchstrukturierte Risikomanagementsystem der JENOPTIK AG gab, richtete Sedat Aktas in seinem Startup-Unternehmen „Geile Weine“ den Blick konsequent auf die Chancenseite. „Um das Risiko habe ich mir bei der Gründung keine großen Gedanken gemacht, eher die Chancen gesehen und die Digitalisierung als Möglichkeit genutzt.“ KA-18 vertreibt unter dem Label und im Online-Shop „geileweine.de“ vorwiegend Weine an die Zielgruppe „Einsteiger“. 

Risiken hat Sedat Aktas natürlich auch: unter anderem das Produkt- und das Zahlungsausfallrisiko. Beim Debitorenrisiko nutzt die KA-18 GmbH Factoring. „Ich gebe hier lieber das Risiko ab als eigene Ressourcen zu binden, die ich für die Geschäftsentwicklung brauche.“ Das gelte auch für das im Onlinehandel evidente IT-Risiko. Hier setzt Sedat Aktas mindestens so lange auf Dienstleister, bis es sich eventuell für eine interne Bearbeitung rechne. Seine acht Mitarbeiter ermuntere er lieber zum Ausprobieren als sie mit „Angst vor dem Risiko“ zu bremsen, sagte Sedat Aktas. Die Nähe zum Kunden sei wichtig, um die Warendurchlaufzeiten gering zu halten und keine Ladenhüter einzukaufen. Marketing wird so gewissermaßen zum Modul im Risikomanagement.

 

Chancen nicht verhindern

Adrian König steuert bei Jenoptik ein konzernweites Risiko- und Chancenmanagementsystem. Das System soll dabei alle konzernweiten Prozesse beachten und hinsichtlich des Risikos, aber auch der Chancen bewerten. Mindestens zweimal im Jahr erfolgt ein detailliertes Reporting aller relevanten Themen. Dies geschieht nicht nur, weil der Kapitalmarkt das verlange, sondern auch, weil damit allen Stakeholdern die Risiken bewusst werden. „Alle Mitarbeiter sind letztlich für ein effektives Risikomanagement verantwortlich. Meine Aufgabe ist es also, zu einer dementsprechenden Risikokultur im Unternehmen beizutragen“, sagt Adrian König. Die Themen werden bei der Jenoptik in strategische, operationale und finanzwirtschaftliche Risiken getrennt. Diese werden mit diversen Subkategorien, wie Marktentwicklung, Supply Chain Management oder Controlling untersetzt. „Wir achten bei der Bewertung besonders auch darauf, wie sich die Risiken, aber auch die entsprechenden Chancen im Verlauf der Zeit entwickeln“, erklärte Adrian König. So könne eingriffen werden, ehe sich Risiken zuspitzen.In letzter Konsequenz bedeute Risikomanagement möglicherweise auch, mit bestimmten Ländern oder Geschäftspartnern nicht mehr zusammenzuarbeiten. Dafür könnten wirtschaftliche Risiken ausschlaggebend sein oder auch die immer wichtiger werdende Compliance mit den Reputationsrisiken.

 

Betrachtung immer differenzierter

Dies bestätigte Mauro Toldo für seine Arbeit. „Bei der Risikobetrachtung werden die Variablen immer differenzierter“, sagte der Leiter Emerging Markets/Länderrisikoanalyse bei der Dekabank. Beim Länderrisiko etwa gehe es nicht um ein Land allein, sondern auch um Wechselwirkungen mit anderen Ländern oder um die Relation Staat zu Unternehmen. Beispielsweise müsse die Abwertung einer Währung für diesen Staat kein Problem darstellen, bringe für Unternehmen im Land aber eventuell Probleme – oder umgekehrt. „Wir schauen auf mehrere Ebenen, um diese Risiken in ihrer möglichen Wirkung zu erfassen.“

Die geopolitischen Themen schätzt Mauro Toldo, wie auch Jochen Böhm und Dr. Mario Jung von Coface, als immer schwieriger ein. Neben der aktuellen Nullzinspolitik und den Währungsrisiken zählt er die politischen Risiken zu den derzeit drei größten Risikofeldern für eine Bank. „Ob ein Land etwas schneller oder langsamer wächst, ist dabei gar nicht so wichtig.“

 

Lesen Sie zum Kongress 2016 auch ein Interview mit Dr. Mario Jung: „Politische Risiken nehmen zu“.

 

Die Präsentation zum Vortrag von Dr. Mario Jung beim Kongress Länderrisiken können Sie herunterladen.

 

Ebenfalls zum Download gibt es eine Broschüre zum Kongress mit einen aktuellen Risikoüberblick und der Weltkarte der Länderrisiken von Coface.

 

Presseveröffentlichung herunterladen : Risiken kennen und meistern (244,45 kB)

Kontakt


Erich HIERONIMUS

Pressesprecher
Isaac-Fulda-Allee 1
55124 Mainz
DEUTSCHLAND
Tel. : +49 6131 323 541
E-Mail : erich.hieronimus@coface.com

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