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29.04.2016
Kongress Länderrisiken, Pressemeldung

Politische Risiken nehmen zu

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Kongress Länderrisiken: Interview mit Dr. Mario Jung, Senior Regional Economist Nordeuropa bei Coface

 

Beim Kongress Länderrisiken, der in diesem Jahr schon zum zehnten Mal in Mainz stattfand, betrachtete der Kreditversicherer Coface die Entwicklung in den Exportmärkten deutscher Unternehmen. „Die politischen Risiken nehmen zu“, stellte Dr. Mario Jung fest. Der Senior Regional Economist bei Coface blickt dabei nicht nur auf Russland oder den Nahen Osten. „Auch in Europa wirken politische Themen auf die Wirtschaft.“ Dabei dürften aber auch sonstige Risiken aus den wirtschaftlichen Umfeld nicht außer Acht gelassen werden.

 

Was sind angesichts der politischen Konflikte die größten Herausforderungen für die Wirtschaft?

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Jung: Wie wir am Beispiel Russland jetzt seit geraumer Zeit sehen, haben politische Konflikte unmittelbare und mittelbare Auswirkungen auf die Unternehmen. In diesem Zusammenhang taucht auch versicherungstechnisch gesehen das politische Risiko wieder stärker als Szenario auf. Aber wichtiger ist es, das „ganz normale“ wirtschaftliche Risiko nicht aus den Augen zu verlieren. Denn während Russland oder Griechenland im Fokus sind und jeder das Risiko dort erkennt, wächst das Bewusstsein für die Risiken in anderen Ländern nicht unbedingt mit. Dabei haben zum Beispiel in China im vergangenen Jahr 80 Prozent der Unternehmen Zahlungsverzögerungen erlebt, ein deutliches Anzeichen für die „graduelle“ Landung der chinesischen Wirtschaft.

 

Wie hat sich Ihre Risikobewertung zuletzt entwickelt?
Jung: Zum einen haben wir die erwähnten Konflikte, wobei wir die Probleme zum Beispiel in der russischen Wirtschaft schon früh erkannt und die Länderbewertung herabgestuft haben. Ebenso für China, das wir schon im ersten Halbjahr 2015 herabgesetzt haben. Griechenland ist weiter ein Fall für sich, während die anderen südeuropäischen Länder, besonders Spanien, sich erholen. Für die Eurozone erkennen wir, mit Ausnahme Griechenlands, insgesamt eine leichte Erholung. Dabei dürfen wir allerdings die gesellschaftlichen Probleme in etlichen Ländern nicht verkennen, besondere die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Spanien, Griechenland oder auch Frankreich. Daneben gibt es Entwicklungen in der EU, welche die Rahmenbedingungen für international tätige Unternehmen nicht gerade verbessern. Dazu zählen vor allem ein möglicher Brexit sowie die Uneinigkeit unter den Regierungen in Europa.

 

Welche Probleme sehen Sie außerhalb Europas?
Jung: Sorgen machen uns Veränderungen in Südamerika. Hier wirkt sich unter anderem der Verfall der Rohstoffpreise stark aus. Zudem sind sie auf Investitionen aus anderen Ländern angewiesen. Die stocken jetzt. So ist Brasilien in großen Schwierigkeiten, weil es derzeit politisch und wirtschaftliche turbulente Zeiten erlebt. Insgesamt kann man sagen, dass die Industrieländer einen positiven Trend verzeichnen, in vielen Schwellenländern aber politische und finanzielle Probleme zunehmen. So läuft das zuletzt doch starke Wachstum in den aufstrebenden Ländern Asiens gebremst. Hier wirkt sich vor allem die starke Verflechtung mit China aus, das selbst ein langsameres Wachstum erlebt.

 

Welche Branchen stehen im Moment im Fokus?
Die Branchenbetrachtung ist naturgemäß sehr komplex. Hier gibt es viele Verbindungen und Abhängigkeiten untereinander. Im Moment stehen die ölintensiven Sektoren natürlich im Brennpunkt. Die Risikobranche Nummer eins ist aber Stahl. Hier wirkt sich die Überproduktion in China mit Dumpingpreisen weltweit aus. Das hört sich, wie beim Öl, zunächst nicht so schlecht an und bringt etlichen Unternehmen auch Vorteile. Sie können diese Rohstoffe oder Waren billiger beziehen. Eine solche Entwicklung kann aber, wenn sie länger anhält, zu strukturellen Verwerfungen führen, die über die einzelne Branche hinausgehen. Beispielsweise ist der Automobilsektor eng verknüpft mit der Stahlbranche. Wir sehen aber Anzeichen, dass sich bis 2018 der Stahlmarkt wieder beruhigt. Der Ölpreis wird zwar kurzfristig nicht explodieren, mittelfristig aber wieder ansteigen.

 

Die Präsentation zum Vortrag von Dr. Mario Jung beim Kongress Länderrisiken können Sie herunterladen.

 

Ebenfalls zum Download gibt es eine Broschüre zum Kongress mit einen aktuellen Risikoüberblick und der Weltkarte der Länderrisiken von Coface.

 

Presseveröffentlichung herunterladen : Politische Risiken nehmen zu (244,45 kB)

Kontakt


Erich HIERONIMUS

Pressesprecher
Isaac-Fulda-Allee 1
55124 Mainz
DEUTSCHLAND
Tel. : +49 6131 323 541
E-Mail : erich.hieronimus@coface.com

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