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06.03.2015
Länder- und Branchenbewertungen, Pressemeldung

Lateinamerika und der Ölpreis

Lateinamerika und der Ölpreis

Der Verfall des Ölpreises wirkt sich in Lateinamerika von Land zu Land ganz unterschiedlich aus. Die Region ist ein wichtiger Produzent von Rohstoffen und so stellt sich die Frage, welche Länder vom niedrigeren Preis profitieren und welche eher negative Folgen spüren.

 

Seit einigen Monaten ist der Ölpreis im freien Fall: seit dem Preishoch am 20. Juni 2014 mit fast 115 US-Dollar bis auf unter 50 US-Dollar am 28. Januar 2015 (siehe Grafik). Dieser Einbruch um 58 Prozent geht einher mit einem höheren Ausstoß und geringerer Nachfrage. Auf der Anbieterseite hat die jüngste Schiefergas-Revolution die Produktion in den USA auf den höchsten Stand seit drei Jahrzehnten katapultiert. Auf der anderen Seite drückt das gebremste Wachstum in China, dem mit 12 Prozent größten Ölverbraucher, die Nachfrage. Mit der Weigerung der OPEC im vergangenen November, die Produktion zu drosseln, verstärkte sie noch den Druck auf die Preise. Hinter der Entscheidung steht die Absicht der OPEC-Länder, Investitionen in neue Schiefergasfelder auszubremsen, weil diese die eigene Profitabilität schmälern würden.
In Lateinamerika hängen die Auswirkungen des Ölpreises nun davon ab, wie lange er so niedrig bleibt. Sie unterscheiden sich von Land zu Land. Am stärksten betroffen ist Venezuela. Prognosen des Internationalen Währungsfonds besagen, dass jeder Zehn-US-Dollar-Schritt im Ölpreis nach unten die Handelsbilanz des Landes um 3,5 Prozent des BIP reduziert. Gemessen an ihren jeweiligen Netto-Öl-Ausfuhren bekommen Kolumbien und Ecuador nach Venezuela den Preisverfall am stärksten zu spüren. Im Gegenzug scheint sich der niedrige Ölpreis positiv auf die Handelsbilanzen Chiles, Brasiliens, Argentiniens und Perus auszuwirken. Allerdings könnte er mittelfristig Investitionspläne in den Treibstoffsektor in Argentinien und Brasilien gefährden.
„Das Wachstum dürfte sich 2015 in Lateinamerika verbessern. Wir sehen das BIP der Region bei plus 2,3 Prozent. Trotz des besseren Ausblicks ist dieser Wert eher schwach, besonders wegen des Stagflationsszenarios in Brasilien. Brasilien macht einen Großteil der Wirtschaftsaktivität in Lateinamerika aus, die Wirtschaft des Landes wird voraussichtlich nicht sonderlich zulegen, zumindest kurzfristig nicht“,erwartet Patricia Krause, Economist für Lateinamerika bei Coface.

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