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01.03.2013
Länder- und Branchenbewertungen, Kongress Länderrisiken

Russland sucht den Wandel

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Die Maßnahmen Russlands zur Wandlung zu einer modernen Marktwirtschaft und deren Bedeutung für deutsche Unternehmen. Mehr hierzu beim Kongress Länderrisiken. 

Wenn am 7. Februar 2014 die Olympischen Winterspiele in Sotschi eröffnet werden, will Russland sich von seiner besten Seite zeigen. Dazu werden knapp 38 Milliarden US-Dollar in den Event rund um das Kaukasusstädtchen investiert. Doch auch das übrige Russland ist im Aufbruch. Der Ausbau der Industrie und der Infrastruktur soll das Land zu einer modernen Marktwirtschaft entwickeln. Dazu setzt das straff geführte Rohstoffland auch auf ausländische Investoren und den heimischen Mittelstand. Russland hat sich hohe Ziele gesetzt: Es will unter anderem im Jahr 2018 unter den ersten 20 des Doing-Business-Index der Weltbank stehen.

Russland bringt günstige Voraussetzungen für einen wirtschaftlichen Aufbruch mit. Dank seines immensen Rohstoffreichtums ist genug Kapital für Investitionen in die Schlüsselindustrien und die Infrastruktur vorhanden, die Staatsverschuldung ist gering und die Kapitalreserven sind hoch. Auch die Banken scheinen stabil zu sein, die Inflationsrate ist die niedrigste seit 20 Jahren. Doch eine Stolperfalle auf dem Weg zum Wirtschaftswandel könnte das geringe Wirtschaftswachstum sein. Im vierten Quartal 2012 ist es zum ersten Mal unter 3% gefallen. Dies scheint dafür zu sprechen, dass der Wandel nicht so einfach über die Bühne gehen wird, wie geplant. Zudem werden auch die schillerndsten Projekte von Korruption und der Veruntreuung von Geldern überschattet. Das gilt in Sotschi, wo die Kosten gegenüber dem ursprünglichen Ansatz vervierfacht wurden, aber auch im Technologiepark Skolkovo, dem Silicon Valley des russischen Modernisierungsprogramms. In beiden Fällen scheinen staatliche Mittel unberechtigt in private Händen gelangt zu sein. Und das, obwohl Sotschi sogar der direkten Kontrolle des Staatspräsidenten untersteht.

Mit dem Beginn einer Modernisierungskampagne und dem Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO hat Russland die Weichen für einen wirtschaftlichen Wandel von der Rohstoff- zur Marktwirtschaft gestellt. Trotz des nur schleppend vor sich gehenden Umbruchs, sieht man dem Wandel positiv entgegen. Unter der erneuten Präsidentschaft Wladimir Putins unternimmt das Land einen neuen Anlauf bei der Privatisierung. Er begann mit der erfolgreichen Teilprivatisierung der russischen Universalbank Sberbank. Privatisiert werden sollen nun auch die Reedereien Sovkomflot und Archangelski Tralowy Flot, die Bank VTB, der Ölkonzern Rosneft, und der Energieversorger TGK-5. Die Stärkung der Privatisierung wird vor allem von der Mittelschicht gefordert, der laut des neu eingeführten Iwanow-Indexes 55% der Russen angehören. 60% davon haben einen Hochschulabschluss, die Wohlhabenderen entscheiden sich aber meist für ein Studium im Ausland. Russlands Fachkräftepotential schwindet durch diese Abwanderung und die ungünstige demographische Entwicklung. Die Arbeitslosenquote liegt derzeit lediglich bei 5 %.

Welche Bedeutung hat der russische Wirtschaftsumbruch für deutsche Unternehmen? Deutschland ist einer der Hauptrohstoffimporteure und wichtiger Technologieexporteur. Experten meinen, dass durch den Ausbau und die Verbesserung der Infrastruktur des ländlichen Raumes noch viel deutsches Know-how gebraucht wird. Bezeichnend dafür sind die rund 70 deutschen Unternehmen, die derzeit in Sotschi tätig sind. Das umfassende Wissen der Firmen in den Bereichen Hoch- und Tiefbau, Sicherheit, Innenausbau und vor allem Logistik ist äußerst gefragt. In eineinhalb Jahren muss die Infrastruktur der Region mit einer modernisierten Verkehrsinfrastruktur, einem besseren Schienen- und Straßennetz, sowie einem erneuerten Hafen bzw. Flughafen aufwarten können. Auch die Kanalisation des 400.000-Einwohner-Städtchens muss komplett erneuert werden.

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