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09.04.2018
Länder- und Branchenbewertungen, Pressemeldung

Wahlen in MOE als Risiko?

Coface:-Politische-Risiken-noch-ohne-Auswirkungen-auf-Wirtschaft-in-MOE

Während die Wirtschaft anhaltend stark wächst, erlebt Mittel- und Osteuropa (MOE) eine Phase größeren politischen Wandels. Dies auch vor dem Hintergrund der Wahlen in Ungarn, Tschechien, Polen und Slowenien. Der Political Risk Index von Coface zeigt indes ein differenziertes Bild für die Region. Zum einen ist das soziale Risiko aufgrund des günstigen makro-ökonomischen Umfelds mit einer positiven Verbraucherstimmung gering. Zum anderen lassen erkennbarer Populismus und offene Skepsis gegenüber der EU das politische Risiko insgesamt wieder ansteigen.

 

Alles in allem hat sich das Risiko in MOE in den vergangenen Jahren reduziert, auch aufgrund des stabilen ökonomischen Aufschwungs. Die sozio-ökonomischen Indikatoren für das Ausmaß gesellschaftlicher Unzufriedenheit haben sich verbessert. Das BIP pro Kopf ist gestiegen und nähert sich dem Durchschnitt westeuropäischer Länder weiter an. Die Arbeitslosigkeit ging zurück, und die Inflation ist moderat.

 

Das politische Risiko ist in den Ländern unterschiedlich ausgeprägt. Ungarn und Polen werden am meisten genannt, EU und internationale Institutionen kritisieren den Umgang mit Recht und Justiz. In Rumänien gefährden angekündigte Änderungen im Rechtssystem den Kampf gegen die Korruption. Und in Tschechien scheint Wahlgewinner Andrej Babis einen vergleichbaren Weg einzuschlagen wie die Regierungsparteien in Ungarn und Polen. Politische Turbulenzen zeichnen sich seit dem Misstrauensvotum im Januar ab, während der Ministerpräsident versucht, eine neue Koalitionsregierung zu bilden. In Slowenien und in der Slowakei sind jüngst die Ministerpräsidenten zurückgetreten. Die Polarisierung der Gesellschaft in Mittel und Osteuropa zeigt sich in den vielen Demonstrationen.

„Die Korruption, die zu Unzufriedenheit in der Bevölkerung führt, ist weiterhin ein bedeutender Faktor für das politische Risiko in den MOE-Ländern“, erklärt Grzegorz Sielewicz, Regional Economist Mittel- und Osteuropa bei Coface und Autor einer neuen Studie zum Politischen Risiko in MOE.„Obwohl es Verbesserungen gibt und viele Länder EU-Standards gegen Korruption übernommen haben, bleibt das Problem akut. So liegen Bulgarien, Ungarn und Rumänien weiter am Ende der EU-Korruptionsskala.“

 

Welche Folgen haben die Kontroversen mit der EU?

Bislang sind keine gravierenden Folgen der jeweiligen Politik in einzelnen Ländern und der Auseinandersetzungen mit der EU für die Wirtschaft zu erkennen. Sie werden überlagert von anderen unterstützenden Faktoren. So hat sich die Wirtschaftsaktivität in der Region 2017 weiter beschleunigt und mit einem Wachstum von 4,5 Prozent auf den höchsten Stand seit acht Jahren geschraubt. Es dürfte 2018 mit 3,9 Prozent solide bleiben und wird getragen von einer starken Konsumnachfrage, anziehenden Investitionen und von Projekten, welche die EU mitfinanziert. Exporteure profitieren von der steigenden Nachfrage in den wichtigen Absatzmärkten. Die Wettbewerbsfähigkeit bei Preisen und in Qualität ist gut. Dies und die geografische Nähe zu Westeuropa stimulieren zudem ausländische Investitionen in die Region MOE.

 

Dennoch darf die Entwicklung des politischen Risikos nicht außer Acht gelassen werden. Steigt es weiter an und gefährdet es die Interessen ausländischer Unternehmen direkt, könnte es deren Engagements und die wirtschaftliche Entwicklung insgesamt bremsen. Zwar wollen die Regierungen die wichtigen Treiber der Wirtschaft nicht vergraulen. Schlechtere Beziehungen zur EU und zu den Partnerländern mit eventuellen finanziellen Folgen könnten aber genau dazu führen. So ist es wahrscheinlich, dass die Kontroversen in Kompromissen enden werden, da für beide Seiten zu viel auf dem Spiel steht.

 

Der“Political Risk Index”, den Coface 2017 eingeführt hat, berücksichtigt wichtige Faktoren: Sicherheit (Konflikte und Terrorismus), politische und soziale Stabilität. Während die Sicherheit unternehmerische Entscheidungen direkt beeinflusst, wirken die beiden anderen Aspekte zunächst eher indirekt auf Vertrauen und Zuversicht.

 

Das Coface-Focus zu Mittel- und Osteuropa kann auf dieser Seite heruntergeladen warden.

Presseveröffentlichung herunterladen : Wahlen in MOE als Risiko? (211,16 kB)

Kontakt


Erich HIERONIMUS

Pressesprecher
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