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06.05.2013
Länder- und Branchenbewertungen, Kongress Länderrisiken

Zyperns Schuldenschnitt und seine Konsequenzen

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Wirtschaftsexperte Prof. Max Otte beurteilt die Situation in Zypern – Vorgeschmack auf seine Keynote beim Kongress Länderrisiken 2013

Nach der Zustimmung des Parlaments in Nikosia Ende April ist der Weg für den Hilfskredit an Zypern frei. Zehn Milliarden Euro fließen in den nächsten fünf Jahren aus Brüssel und Washington auf die Mittelmeerinsel. Dort wird die Bank Leiki geschlossen und die Bank of Cyprus von uneinbringlichen Forderungen entlastet. Gläubiger mit Forderungen über 100.000 Euro werden mit bis zu 60% an der Sanierung beteiligt.

Zuvor hatte das Parlament einen Kompromiss abgelehnt, der eine Beteiligung von kleineren Guthaben vorsah und damit ein breite Gruppe zyprischer Sparer betroffen hätte. Prof. Max Otte kommentierte das zyprische Nein zur Sonderabgabe auf Bankvermögen am 22. März noch als Schwäche der europäischen Politik. Es zeige, „wie sehr die europäische Politik erpressbar ist und wie stark die Finanzlobby auch im Jahr fünf der Finanzkrise das Geschehen lenkt. Es zeigt auch, dass der Euro Gift für den Zusammenhalt in Europa ist und die Völker Europas eher gegeneinander aufwiegelt.“

Die nun gefundene Lösung empfahl er als Weg, „große Vermögen und Fluchtgelder an der Sanierung des unsoliden Bankensektors, der zweifelsohne teilweise auch Kriminelle Gelder toleriert hat“, zu beteiligen. Es sei eben nicht so, wie der Deutsche-Bank-Co-Chef Anshu Jain gesagt habe, dass mit der Beteiligung der Privatsparer in Zypern ein „Präzedenzfall“ geschaffen werde. Im Gegenteil, die Abgabe auf die Sparvermögen, wenn sie sozial ausgewogen geschehen würde, wäre das zypriotische Modell eines Schuldenschnitts. Da die Banken in Zypern viele Geldzuflüsse hätten, weißes und schwarzes Geld, sei der Finanzsektor massiv auf das 8,5fache des Bruttoinlandsproduktes aufgebläht.

Als Folge des Schuldenschnitts werde Geld in Zypern etwas unsicherer, Geld in funktionierenden Bankensystemen würde attraktiver, meint Prof. Otte und fährt fort: „Das wollen wir doch, oder? Aber natürlich sieht das zypriotische Volk das nicht und ergeht sich in Anti-Merkel-Demonstrationen. Und das deutsche Volk lässt sich mit dem Gerede von einem „Präzedenzfall“ blenden, obwohl die Situation in Deutschland eine ganz andere ist. Eine Umlage ist in Deutschland sehr unwahrscheinlich. Stattdessen werden deutsche Sparer seit Jahren über die Finanzrepression – Guthabenzinsen deutlich geringer als tatsächliche Inflation – zur Kasse gebeten. Nach meinen Berechnungen schmelzen die deutschen Sparguthaben bei den jetzigen Zins- und Inflationsszenarien in zehn Jahren um 25 Prozent, in 15 Jahren gar um 40 Prozent.“

Eine aktuelle Einordnung der Schuldenkrise in die globale Finanzlage gibt Prof. Otte am 16. Mai 2013 in seiner Keynote „Cash oder Crash“ auf dem Kongress Länderrisiken in Mainz. Anschließend diskutiert er mit Wirtschaftswissenschaftlern und Unternehmern über die Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft im internationalen Wettbewerb.

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