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13.05.2019
Kongress Länderrisiken, Pressemeldung

Zwischen Filterblase und Information Overload

Berichte-vom-Coface-Kongress-Länderrisiken-2019

Täglich, stündlich, minütlich? Nein, alle paar Sekunden prasselt Information auf uns ein. Woher und wie damit umgehen? Dieser Frage ging eine Talkrunde beim Kongress Länderrisiken im Anschluss an die Keynote von Dietmar Dahmen nach. Schnell kommt Information, direkt und immer öfter auch wuchtig. Eine Herausforderung für Empfänger: Privatleute, Unternehmer und Manager, Politiker. Und für die klassischen Medien, die sich in einem neuen Wettbewerb und Wettlauf befinden und ihre methodische und ökonomische Position überdenken müssen.

 

Carsten Knop, ehemals Leitender Wirtschaftsredakteur und jetzt Chefredakteur der digitalen Produkte bei der F.A.Z., steckt mitten drin in diesem gewaltigen Wandel, ist nicht nur Beobachter sondern auch Akteur. Und so trat Carsten Knop in diesem Jahr nicht nur als kompetenter Moderator des ersten Panels beim Kongress Länderrisiken auf die Bühne, wie schon viele Male zuvor. Sondern als teilnehmender Experte zugleich. Ihn beschäftigt nicht nur die Zukunft des eigenen Mediums. Carsten Knop lenkt den Blick auf den großen Rahmen dieses auch gesellschaftlichen Wandels. Er stellt Fragen nach dem Vertrauen in Medien, in Verlässlichkeit und Wahrheit von Information, nach Transparenz.

 

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Moderator Carsten Knop ist als Journalist kritischer Beobachter der medialen Entwicklung, aber natürlich auch Akteur.

 

„Demokratisierung“ der Information

 

Dass sich viel verändert hat und weiter verändert, erlebt jeder irgendwie. Auch Unternehmen und Verbände. So schilderte Gregor Wolf, Geschäftsführer beim Bundesverband des Deutschen Exporthandels (BDEx) am Beispiel des gescheiterten Freihandelsabkommens TTIP Wucht und Wirkung von Social Media. „Das ist nach jahrelangen Verhandlungen am Ende nur so an uns allen vorbeigerauscht. Die Gegner des Abkommens haben vor allem über neue Medien in kurzer Zeit enorme Wirkung entfaltet.“ Viel mehr als jene, sie sich in den klassischen Medien mit den Themen beschäftigt hatten, informierten, differenzierten, kommentierten. Wie Carsten Knop in der FAZ. „Das nützte alles nichts. Uns und mir wurde sogar vorgeworfen, wir wären von Politik und Wirtschaft gekauft oder instrumentalisiert.“

 

Die Zeiten, in denen Journalisten weitgehend den Zugang zu Informationen geregelt haben, ist lange vorbei. Die „Demokratisierung“ der Informationsproduktion und des Zugangs hält Mark Schieritz prinzipiell für gut. Die Absender-Thematik gewinnt dabei immer mehr an Bedeutung, lenkt der Wirtschaftspolitische Korrespondent der Wochenzeitung „Die Zeit“ auf die Frage: Wer kommuniziert was mit welcher Absicht? Eine Frage, die nicht neu ist, in der aber die Suche nach Wahrheit und Wertigkeit von Informationen mitschwingt – und schwieriger zu beantworten ist. Dass klassische Medien noch Wirkung erzielen, zeigte sich unlängst mit einem Interview in der „Zeit“. Darin philosophierte der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert unter anderem über die Vergesellschaftung von Unternehmen. Mit gewaltigem Echo. „Damit hatten wir nicht gerechnet,“, räumt Mark Schieritz ein. In Anlehnung an die These von Dietmar Dahmen „Business is Figthclub“ sagte der Redakteur, auch Twitter sei letztlich medialer Fightclub.

 

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Diskussionsrunde mit, v.l.: Mark Schieritz (Die Zeit), Gregor Wolf (BDEx), Carsten Knop (FAZ), Thorsten Winternheimer (Wolf-Gruppe) und Dietmar Dahmen. Fotos: Andreas Henn

 

Man muss filtern können

 

Sich dem zu entziehen, sei schwierig, meint Gregor Wolf. Auf der Senderseite eventuell noch: „Längst nicht jeder Unternehmer, Geschäftsführer oder Manager ist in Social Media-Netzwerken aktiv. Auf der Empfängerseite komme es auf die richtige Selektion, also auch den Einsatz von Filtern an. „Man muss filtern können“, sagte auch Thorsten Winternheimer. Der Geschäftsführer der Wolf-Gruppe in Ingelheim sieht bezüglich der Präsenz und Nutzung von neuen Medien Unterschied zwischen B2B und B2C-Unternehmen. Für seine Unternehmensgruppe, die sich aus einer klassischen Druckerei heraus entwickelt hat – „Winternheimer: Auch das Druckbusiness ist ein Fightclub“ -, sieht er Social Media vor allem in der Mitarbeiterrekrutierung als wichtig an.

„Nicht verwirren lassen, nicht jedem Hype hinterherrennen und nicht jeden Informationsbrocken aufnehmen“, warnt Gregor Wolf und rät: „Den Blick fürs Ganze nicht verlieren und Infos nicht nur konsumieren.“ „Tanzen Sie die Information“, formuliert Dietmar Dahmen diese Empfehlung bildlich um. Dabei hilft es nach Ansicht von Mark Schieritz, sich in Gegenpositionen zu versetzen, „um aus der selbst erzeugten Filterblase herauszukommen.“

 

„Handlungsrelevanz“ nennt Dietmar Dahmen als wichtiges Prüfkriterium für das Filtern. „Wir haben viel zu viele Informationen, aber eine zu geringe Qualitätsdichte.“ Was wieder die Frage nach Vertrauen aufwirft. „Sind die großen Medien noch Garanten für Vertrauen?“, fragte Carsten Knop das Publikum im Saal. Immerhin 80 Prozent sagten „Ja“. Ein guter Wert? „100 Prozent sind nicht zu kriegen“, macht sich Mark Schieritz keine Illusionen.

 

Business is Fightclub. Keynote von Dietmar Dahmen: Zum Bericht!

 

Risiko oder Chance oder beides. Podiumsdiskussion über Risikomanagement: Zum Bericht!

 

Länder und Branchen und Konjunktur. Analyse von Coface-Economist Christiane von Berg: Zum Vortrag!

Kontakt


Erich HIERONIMUS

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