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08.05.2019
Länder- und Branchenbewertungen, Pressemeldung

Länder. Branchen. Konjunktur.

Coface-erwartet-mehr-Insolvenzen-in-Europa

Coafce Coface-Economistin Christiane von Berg gab beim Kongress Länderrisiken einen Überblick über die Einschätzung von Coface zu aktuellen weltwirtschaftlichen Entwicklungen und über die Länderbewertungen des internationalen Kreditversicherers.

 

Im Vergleich zum Jahresbeginn hat Coface diverse Abwärtsrevisionen in einzelnen Schwellenländern, zum Beispiel Brasilien und Russland, vorgenommen. „Es zeigt sich aber vor allem auch ein verändertes Konjunkturbild in der EU“, sagte Christiane von Berg. „Hier hat nicht nur Deutschland zu kämpfen, auch Frankreich und UK haben konjunkturelle Probleme.“ Beide Länder habe Coface allerdings frühzeitig pessimistisch eingeschätzt, weshalb es hier keiner Korrektur in der Länderbewertung bedurfte.

 

Ein Grund für die schwächere Konjunktureinschätzung im Euroraum ist die Schwäche der Industrieproduktion. „Wir haben eine der längsten Wachstumsperioden hinter uns und jetzt eben diese Abwärtsbewegung“, erklärte die Volkswirtin. Die Frage sei, ob es zu einer handfesten Rezession, wie 2009/2010 mit der Finanzmarktkrise oder 2012 bis 2014 mit der europäischen Staatsschuldenkrise, komme oder es eher „einen kleinen Dip runter“ gehe, wie 2003. „Die Antwort aus Deutschland ist: Wir sind zweigeteilt, nicht als Land, sondern als Wirtschaft. Dies erkennt man an den Stimmungsindikatoren PMI für das Verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor.“ Die beiden Sektoren bewegten sich erkennbar auseinander, das Verarbeitende Gewerbe in den ersten drei Monaten nach unten, der Dienstleistungssektor nach oben. „Können sich beide Wirtschaftssektoren gegenseitig ausgleichen? Diese Frage beantwortet der neue Coface-Konjunkturfrühindikator mit ja, so gerade.“

 

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Christiane von Berg, Regional Economist bei Coface für Nordeuropa: Das Umfeld für Unternehmen wird deutlich anspruchsvoller. Foto: Andreas Henn

 

Konjunkturfrühindikator von Coface

 

Der Indikator, erklärte Christiane von Berg, prognostiziert die wirtschaftliche Entwicklung für das aktuelle Quartal und das jeweils folgende Quartal. „Die Prognosekraft des Indikators ist hoch“, sagte die Economistin. Dies zeige der Verlauf der letzten zehn Jahre. In dem Prognosemodell verarbeitet Coface Daten aus Unternehmensumfragen, vom statistischen Bundesamt für die Industrie, den Außenhandel, Arbeitsmarktdaten, Preisdaten, auch Daten vom staatlichen Konsum. „Für die größtmögliche Aktualität werden natürlich auch Finanzmarktdaten mit verwendet. Das i-Tüpfelchen bilden aber unsere hauseigenen Prognosen zur Insolvenz, die wir aktuell immer mit unseren eigenen Daten abgleichen können.“

 

Bei den Insolvenzen müsse man leider erkennen, dass die guten Zeiten vorbei sind. „Auch wenn wir keine Rezession prognostizieren, wird das Umfeld für Unternehmen deutlich anspruchsvoller“, warnt Christiane von Berg. „Wir waren in den letzten acht Jahren immer sinkende Insolvenzzahlen gewöhnt. Für einige Unternehmen wird es 2019 dahingehend ein negatives Erwachen geben.“ Deutschland liegt mit plus 2 Prozent in dieser Prognose noch leicht unter der Prognose für den Euro-Raum. Insgesamt zeigen sich die Länder Nordeuropas noch recht stabil. Wenig verwunderlich ist die Situation von Großbritannien mit mehr Insolvenzen aufgrund politischer Unsicherheit. Ähnlich ergeht es Italien, wo das Wachstum ebenfalls mehr oder weniger zum Erliegen gekommen ist und sich die Regierungskoalition intern bekämpft.

 

Den Blick auf die politischen Risiken und ihr möglichen Folgen für die Wirtschaft lenkte Christiane von Berg mit einigen Fragen. Gibt es einen globalen Nachfragerückgang, wenn China nicht mehr mitspielen will? Die Handelspolitik der USA: Wer steht noch auf Trumps Dealliste? Brexit: Kommt er? Und wenn ja, wann? Und wenn ja, wie? Macht Italien mit schwachem Wachstum „auf Pump“ weiter? Was ist, wenn das Volk, wie in Frankreich, Reformen nicht will? Schwellenländer: Aus den Nachrichten - aus dem Sinn?

 

Wirtschaft „gefühlt“ schlechter als real

 

Dass Wirtschaft nicht nur auf Fakten beruht, sondern vielmehr auch Stimmungen mitspielen, verdeutlichte die Coface-Economistin mit einer Frage zur „gefühlten Wirtschaft“: An welcher Stelle sehen Sie Deutschland im Ranking der größten Volkswirtschaften weltweit? Mit dem Mehrheitsergebnis aus dem Saal (20 Prozent) für Platz 5 lagen die Kongressbesucher sehr gut. Tatsächlich ist es Platz 4. Eine Straßenumfrage in Europa hatte in Deutschland Platz 9 ergeben. Da liegt indes Italien, wobei sich die Italiener selbst auf Platz 69 einordneten. Diese Position ist allerdings an den Oman vergeben. Ganz pessimistisch sind die Spanier drauf. Gefühlt sind sie auf Platz 80, der Position vom Libanon. Tatsächlich sind sie auf Platz 14.

 

Gefühlt läuft es wirtschaftlich also deutlich schlechter als in der Realität. So zeigten die Zahlen, dass sich die Länder Europas gerade deutlich stärker aufeinander zubewegten als in den letzten Jahren, speziell im Euro-Raum. „BIP und Inflation haben sich stark angeglichen“, stellte Christiane von Berg fest. „Auch in der Leistungsbilanz, vor allem mit Blick auf den Handel, haben viele Länder des Mittelmeerraums oder aus Zentraleuropa stark aufgeholt, so dass auch auf der Handelsseite sich die Länder mehr aneinander angeglichen haben. Tatsächlich sind die Unterschiede zwischen den Ländern also gar nicht so groß und insgesamt geht es den meisten Ländern wirtschaftlich gut.“ Dennoch zeigten die Wahlumfragen, dass im neuen EU-Parlament der Bereich der Europaskeptiker deutlich zunimmt. Sie könnten demnach über 30 Prozent der Stimmen bekommen.

 

Die Präsentationsfolien von Christiane von Berg können heruntergeladen werden („Siehe auch“).

 

Weitere Berichte vom Kongess Länderrisiken 2019: Zur Übersicht!

 

Mehr zur aktuellen Entwicklung der Weltwirtschaft im Coface-Barometer zum Download auf dieser Seite („Siehe auch“).

 

Coface-Risikoweltkarte zum Download („Siehe auch“).

 

Infografik Branchen zum Download ("Siehe auch")

 

Das „Coface Handbook Country Risk 2019“ zum Download finden Sie hier: http://static.coface.com/handbook/coface-country-sector-risks-2019.pdf

 

Die Informationen werden ständig aktualisiert und für jedes Land und jede Branchen auf der Coface-Webseite veröffentlicht: Alle Länder- und Branchenbewertungen von Coface. 

Presseveröffentlichung herunterladen : Länder. Branchen. Konjunktur. (167,14 kB)

Kontakt


Erich HIERONIMUS

Pressesprecher
Isaac-Fulda-Allee 1
55124 Mainz
DEUTSCHLAND
Tel. : +49 6131 323 541
E-Mail : erich.hieronimus@coface.com

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