Stabiles Wachstum im privaten und öffentlichen Sektor
Im Jahr 2025 dürfte die norwegische Wirtschaft kräftig wachsen, gestützt durch eine Kombination aus steigendem privaten Konsum, höheren Staatsausgaben und einer belebten Aktivität im Bereich der Kohlenwasserstoffe. Die Erholung des privaten Konsums wird zum Teil durch Vermögenseffekte aufgrund höherer Immobilienpreise angetrieben, die die Bilanzen der privaten Haushalte gestärkt haben. Gleichzeitig wirken sich die Staatsausgaben weiterhin stützend aus, während der Energiesektor von einer anhaltenden Aktivität im Bereich der Kohlenwasserstoffe profitiert.
Allerdings bestehen weiterhin Risiken. Das hohe Lohnwachstum, das durch den anhaltenden Arbeitskräftemangel in bestimmten Branchen angeheizt wird, sorgt weiterhin für Inflationsdruck. Dies schränkt die Möglichkeiten der Zentralbank ein, die Zinsen aggressiv zu senken, wobei die Erwartungen derzeit auf etwa zwei Senkungen um jeweils 25 Basispunkte im Laufe des Jahres hindeuten. Der angespannte Arbeitsmarkt und anhaltende Inflationssorgen könnten die Phase der restriktiven Geldpolitik verlängern.
Im Jahr 2025 dürfte die Zahl der Insolvenzen in Norwegen steigen, was eine anhaltende Normalisierung nach einer längeren Phase niedrigerer Werte widerspiegelt. Auch wenn dieser Anstieg erheblich erscheinen mag, bleibt die absolute Zahl der Insolvenzen im historischen Rahmen und dürfte keine alarmierende Welle von Unternehmensinsolvenzen signalisieren. Gleichzeitig werden höhere Kosten die Unternehmen unter Druck setzen und zum Anstieg der Insolvenzen beitragen. Das Lohnwachstum bleibt hoch, während die Energiepreise für kostenintensive Branchen weiterhin eine Herausforderung darstellen. Die starke Konjunktur dürfte jedoch das Gesamtinsolvenzniveau auf einem überschaubaren Niveau halten.
Bilanz wird durch die Kohlenwasserstoffwirtschaft gestützt
Im Jahr 2025 dürfte sich Norwegens Leistungsbilanz leicht verringern, wird jedoch weiterhin durch einen erheblichen Warenüberschuss gekennzeichnet sein, der in erster Linie auf die Exporte von Kohlenwasserstoffen zurückzuführen ist. Während die Kohlenwasserstoffproduktion voraussichtlich stark bleiben wird, könnte sich die Handelsbilanz insgesamt etwas abschwächen. Die Dienstleistungsbilanz dürfte hingegen weiterhin ein ähnliches Defizit aufweisen oder leicht ansteigen. Ein wesentliches Merkmal der Außenwirtschaftsposition Norwegens bleibt die durchweg hohe Bilanz bei Einkommen und laufenden Transferleistungen, gestützt durch Erträge aus den beträchtlichen Auslandsvermögen des Landes, darunter der weltweit größte Staatsfonds.
Norwegens Haushaltsbilanz dürfte robust bleiben und trotz steigender Staatsausgaben weiterhin einen starken Überschuss aufweisen. Höhere Einnahmen, insbesondere aus dem Kohlenwasserstoffsektor, werden die gestiegenen Ausgaben ausgleichen, sodass die Staatsverschuldung in etwa unverändert bleibt. Dies spiegelt die stabile Haushaltslage des Landes wider, auch wenn die Wirtschaft auf dem Festland – wie in den Vorjahren – ohne die Öl- und Gasförderung sowie die damit verbundenen Steuereinnahmen und Transferzahlungen aus dem Fonds weiterhin ein Defizit verzeichnen würde.
Im Herbst wird ein knappes Wahlergebnis erwartet
Die nächsten Parlamentswahlen, die für September 2025 angesetzt sind, werden voraussichtlich von großer Bedeutung sein. Die derzeitige Regierung trat Anfang dieses Jahres ihr Amt an, nachdem die Zentrumspartei – eine agrarorientierte, EU-skeptische Partei – die vorherige Koalition aufgrund von Meinungsverschiedenheiten über Norwegens künftige Beziehungen zur EU, insbesondere in der Energiepolitik, verlassen hatte. Infolgedessen regiert die Arbeiterpartei nun allein, wobei der ehemalige Ministerpräsident und NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg als Finanzminister zurückkehrte. Seit dem Bruch und Stoltenbergs Rückkehr hat die Arbeiterpartei in den Umfragen wieder an Boden gewonnen, was den Ausgang der Herbstwahlen zunehmend ungewiss macht.
Die außenpolitische Unsicherheit bleibt auch 2025 ein zentrales Thema in Norwegen, da sich wandelnde globale Dynamiken das Land dazu zwingen, seine strategischen Prioritäten neu zu bewerten. Der Eintritt der neuen US-Regierung auf die internationale Bühne hat den Druck auf Norwegen erhöht, die Verteidigungsausgaben zu steigern, seine NATO-Verpflichtungen zu bekräftigen und gleichzeitig Diskussionen über eine größere Eigenständigkeit anzustoßen. Gleichzeitig überdenkt Norwegen seine Beziehungen zur EU – nicht nur im Hinblick auf die Sicherheitszusammenarbeit, sondern auch in Bezug auf seine Rolle als wichtiger Energielieferant. Diese sich wandelnden geopolitischen Überlegungen prägen sowohl die Verteidigungspolitik als auch den Rahmen für Norwegens Energiebeziehungen zu Europa.

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