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Coface-Ranking: TOP-500-Unternehmen in Mittel- und Osteuropa setzen auf Agilität und flexible Strategien

Die 17. Auflage des jährlichen „Coface CEE Top 500“-Rankings bietet einen umfassenden Einblick, wie sich die größten und umsatzstärksten Unternehmen Mittel- und Osteuropas in einem Umfeld voller Komplexität und Wandel behaupten. Die Ergebnisse zeigen, dass die führenden Unternehmen der CEE-Region (Central & Eastern Europe) agil auf die Herausforderungen reagiert und ihre Strategien angepasst haben, um trotz anhaltendem Gegenwind die Dynamik aufrechtzuerhalten.

Nach den Schocks in den Jahren 2022 und 2023 war die Erholung in Mittel- und Osteuropa 2024 von einem starken Rückgang der Inflation und einer allmählichen Lockerung der Geldpolitik geprägt. Während sich das durchschnittliche BIP-Wachstum in den CEE-Ländern bei etwa zwei Prozent stabilisierte, sank der Gesamtumsatz der größten Unternehmen der Region um 3,7 Prozent, vor allem aufgrund von Rückgängen im petrochemischen Sektor. Der durchschnittliche Umsatz der Top-500-Unternehmen ist jedoch um 3,1 Prozent gestiegen, was auf stabilere Bedingungen in der Gesamtwirtschaft hindeutet. 

Trotz dieser positiven Tendenz geriet die Profitabilität unter Druck. Die Nettogewinnmargen sanken von 4 Prozent auf 3,2 Prozent – unter anderem belasteten steigende Arbeitskosten die Unternehmensgewinne. Der starke Konsum der privaten Haushalte und zahlreiche EU-Fördermittel sorgten für einen Aufschwung, doch externe Herausforderungen – insbesondere die anhaltende Stagnation in Deutschland und die sich verschärfenden globalen Handelsspannungen – trüben weiterhin die Aussichten.

 

Polen bleibt an der Spitze, Tschechien holt auf

Polen bleibt mit 178 Unternehmen in den Top 500 und über 1,2 Millionen Beschäftigten die treibende Kraft in Mittel- und Osteuropa. Allerdings ging Polens Anteil am Ranking leicht zurück und das Umsatzwachstum stagnierte, was die Herausforderungen eines starken Zloty und des Arbeitskräftemangels widerspiegelt. Die Tschechische Republik hingegen konnte ihren Anteil ausbauen und profitierte dabei von einer Erholung der Binnennachfrage und einer frühzeitigen Lockerung der Geldpolitik. Rumänien bleibt trotz seiner Stellung als zweitgrößte Volkswirtschaft der Region aufgrund anhaltender struktureller Herausforderungen in den Top 500 weiterhin unterrepräsentiert.

 

 

Kontinuität und Veränderungen im Ranking

Der polnische Mineralöl- und Energiekonzern Orlen verteidigte erneut seine Position als größtes Unternehmen in Mittel- und Osteuropa und demonstrierte trotz eines Umsatzrückgangs seine Marktstellung. Škoda Auto A.S. belegte erneut den zweiten Platz und erzielte sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn ein Wachstum, obwohl der europäische Automobilsektor mit erheblichem Gegenwind zu kämpfen hatte. Jeronimo Martins Polska S.A., Betreiber der größten polnischen Einzelhandelskette, überholte den ungarischen Mineralölkonzern MOL Nyrt und belegte den dritten Platz. Diese Verschiebung spiegelt sowohl die Normalisierung nach boomenden Jahren für die petrochemische Industrie als auch die Dynamik des Einzelhandelssektors wider. Die bedeutendsten Aufstiege unter den führenden Unternehmen – die polnische Lidl Sp. z o.o. Sp.K. (von Platz 14 auf Platz 9) und Vilniaus Prekyba UAB, Betreiber von Einzelhandelsketten wie Maxima in den baltischen Staaten (von Platz 17 auf Platz 13) – verdeutlichen strategische Expansionen im Zuge der Integration von E-Commerce und der Optimierung der Lieferketten.

 

Stagnation trotz struktureller Dominanz im Industriesektor

Das Ranking „CEE Top 500“ für 2024 zeichnet ein differenziertes Bild mit Blick auf die Entwicklung der unterschiedlichen Branchen in der Region. Der Industriesektor – getragen von den Bereichen Mineralien, Chemie, Erdöl, Kunststoffen, Pharma sowie Automobil und Transport – bleibt zwar weiterhin dominant, stagniert jedoch unter dem Druck externer Einflüsse und struktureller Abhängigkeiten. Im Gegensatz dazu entwickelte sich der nicht-spezialisierte Handelssektor zu einem Wachstumsmotor, angetrieben durch die Erholung des privaten Konsums und einen lohnbedingten Anstieg der Kaufkraft. Der Umsatz stieg um 6,2 Prozent und die Gewinne um 25 Prozent, auch wenn die Nettogewinnmargen gering blieben. Der IKT1- und Elektrogerätebereich zeigte eine geteilte Entwicklung: Digitale Dienstleistungen florierten, während das Fertigungssegment hinterherhinkte.

Versorgungsunternehmen und öffentliche Dienstleistungen verzeichneten einen Rückgang, da sich die Energiemärkte nach der Krise stabilisiert haben. Der Agrar- und Lebensmittelsektor blieb stabil und profitierte von einer robusten Nachfrage und der Unterstützung durch die EU. Unterdessen sahen sich Metallproduzenten mit Gegenwind aufgrund fallender Weltmarktpreise und verschärfter EU-Klimavorschriften konfrontiert. Diese divergierenden Trends unterstreichen den Übergang der Region von einer industriellen Abhängigkeit hin zu einem konsum- und innovationsgetriebenen Wachstum und verdeutlichen die Notwendigkeit einer strategischen Diversifizierung und politischer Unterstützung.

Das Beschäftigungswachstum in den "CEE Top 500" verlangsamte sich auf etwa 0,8 Prozent und spiegelte damit den allgemeinen Trend in der EU wider. Die Arbeitslosenquoten blieben auf einem historisch niedrigen Niveau, wobei der angespannte Arbeitsmarkt die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer stärkte. Die Reallöhne stiegen deutlich, insbesondere in Osteuropa. Das trug dazu bei, die durch die vorangegangene Inflation verlorene Kaufkraft wiederherzustellen. Der nicht-spezialisierte Handelssektor war führend bei der Beschäftigung, während Industriezweige wie die Chemie- und Automobilindustrie weiterhin für eine hohe Arbeitskräfteintensität sorgten.

 

Ausblick: Optimismus und Unsicherheit

Der Ausblick für die CEE-Region ist verhalten optimistisch und gleichzeitig von Unsicherheit getrübt. 

Das BIP-Wachstum dürfte sich dank des Binnenkonsums und EU-finanzierter Investitionen in moderatem Tempo fortsetzen, während die geldpolitische Lockerung zusätzliche Unterstützung bietet. Die anhaltende Schwäche Deutschlands, dem wichtigsten Handelspartner der Region, und die Möglichkeit weiterer Störungen des globalen Handels könnten jedoch die Erholung verzögern oder zum Erliegen bringen

unterstreicht Mateusz Dadej, Coface-Volkswirt für Mittel- und Osteuropa. 

Fazit: Das „Coface CEE Top 500“-Ranking unterstreicht die Anpassungsfähigkeit und Widerstandskraft der größten Unternehmen Mittel- und Osteuropas. Trotz anhaltender Herausforderungen setzen die führenden Unternehmen der Region auf neue Wachstumstreiber und gestalten aktiv die wirtschaftliche Zukunft. Während die Region zu einem stärker konsumorientierten und innovationsgetriebenen Wachstum übergeht, werden strategische Investitionen in Digitalisierung, grüne Technologien und Personalentwicklung entscheidend sein, um die Dynamik aufrechtzuerhalten und sich in einem unsicheren globalen Umfeld zu behaupten.

1Informations- und Kommunikationstechnologie

 

Die vollständige Studie "CEE Top 500 Ranking 2025" (.pdf) steht über den Button „Dokumente herunterladen“ zur Verfügung.

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