Strukturelle wirtschaftliche Erholung weitgehend intakt
Japans BIP wuchs in den ersten drei Quartalen des Jahres 2025 um 1,6 % und lag damit deutlich über der Schätzung der Bank of Japan für das Potenzialwachstum von rund 0,5 %. Diese überdurchschnittliche Entwicklung lässt sich teilweise auf die niedrige Vergleichsbasis des Vorjahres zurückführen, als die Automobilproduktion und die Exporte durch einen Sicherheitsskandal beeinträchtigt waren. Die strukturelle Erholung bei den privaten Investitionen und beim Konsum hat jedoch ihre solide Dynamik beibehalten. Die Bruttoinvestitionen verzeichneten das schnellste Wachstum im Jahresvergleich seit 2014, angeführt von den Bereichen Transport und Maschinenausrüstung. Dieser Anstieg wurde durch starke Unternehmensgewinne gestützt, während steuerliche Anreize für Investitionen in die industrielle Automatisierung und in den Bereich Elektrofahrzeuge die belastenden Auswirkungen höherer Zinsaufwendungen wahrscheinlich mehr als ausgeglichen haben. Unterdessen ist der private Konsum sechs Quartale in Folge gestiegen, da der Incoming-Tourismus den Absatz von Gebrauchsgütern und tourismusbezogenen Dienstleistungen stützte, während ein robustes Lohnwachstum dazu beitrug, die steigenden Lebenshaltungskosten für inländische Haushalte auszugleichen. Außenwirtschaftlich war der Vorzieheffekt in Japan relativ verhalten. Dieser Trend ist größtenteils auf Japans starke Abhängigkeit von Automobilausfuhren in die USA zurückzuführen, wo die Zölle gemäß Section 232 seit Anfang des zweiten Quartals in Kraft sind. Dies steht im Gegensatz zu Märkten, in denen die auf das dritte Quartal verschobene vollständige Umsetzung von Gegenzöllen einen Ansturm auf den Versand von Waren vor Inkrafttreten der höheren Zölle ausgelöst hat. Unterdessen hat die Umstrukturierung des Handels, insbesondere die Neuausrichtung auf den Export von Technologieprodukten in die aufstrebenden Länder Asiens, das Wachstum gestützt.
Mit Blick auf das Jahr 2026 erwarten wir eine Abschwächung der japanischen Wirtschaft, da sich die Auswirkungen der US-Zölle allmählich bemerkbar machen. Das Wachstum könnte jedoch weiterhin über dem Potenzial liegen, gestützt durch die strukturelle Erholung der Binnenkonjunktur und verstärkte fiskalische Unterstützung. Trotz des Handelsabkommens könnte die Entscheidung japanischer Automobilhersteller, die Zölle auf Lieferungen in die USA selbst zu tragen, um Marktanteile zu sichern, die Unternehmensgewinne schmälern und die Unternehmen möglicherweise bei der Erhöhung ihrer Investitionsausgaben vorsichtiger machen. Diese Entscheidung könnte zudem das Tempo der Lohnerhöhungen im verarbeitenden Gewerbe dämpfen. Dennoch dürfte das allgemeine Lohnwachstum in der gesamten Wirtschaft – in der der Dienstleistungssektor rund 80 % der Beschäftigung ausmacht – durch die robuste inländische Dienstleistungstätigkeit und die strukturelle Knappheit auf dem Arbeitsmarkt gestützt bleiben. In der Zwischenzeit hat die neu gebildete Takaichi-Regierung ein Konjunkturpaket in Höhe von 21,3 Billionen Yen (entspricht rund 3,3 % des BIP) verabschiedet, dessen Schwerpunkte auf Maßnahmen gegen die Inflation, Investitionsausgaben für Krisenmanagement und Wachstum sowie erhöhten Verteidigungsausgaben liegen. Das Paket muss noch vom Parlament verabschiedet werden, was voraussichtlich bis zum Jahresende geschehen wird; angesichts der fehlenden Mehrheit der Regierungskoalition in beiden Kammern könnte es im Laufe der Verhandlungen mit den Oppositionsparteien zu Änderungen kommen. Angesichts der allgemein expansiven Haltung der meisten Parteien sind jedoch erhebliche Kürzungen unwahrscheinlich, und die stimulierenden Effekte dürften sich im Jahr 2026 weitgehend bemerkbar machen.
Erneute Bedenken hinsichtlich der Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen
Japans Leistungsbilanzüberschuss verbesserte sich im Jahr 2025 weiter und stieg von 4,7 % des BIP im Jahr 2024 auf 5,0 % in den ersten drei Quartalen des Jahres 2025. Diese Verbesserung war in erster Linie auf geringere Importe zurückzuführen, die durch eine Aufwertung des Yen sowie niedrigere Kohle- und Rohölpreise bedingt waren. Gleichzeitig milderten stärkere Exporte von Halbleiterfertigungsanlagen in südostasiatische Märkte den Rückgang bei den Automobilausfuhren, die unter Zöllen litten. Auch das Defizit im Dienstleistungshandel verringerte sich, da ein Anstieg des Incoming-Tourismus den Überschuss bei den Reisedienstleistungen ankurbelte und damit die höheren Kosten für ausländische Software, digitale Tools und andere Unternehmensdienstleistungen teilweise ausglich. Zudem verstärkte sich der Primäreinkommensüberschuss weiter, gestützt durch höhere Renditen aus Kapitalbeteiligungen.
Allerdings haben steigende Zinsen und politische Bestrebungen zur fiskalischen Expansion die Sorgen um Japans Haushaltslage erneut angefacht. Die anhaltend hohe Inflation, die über dem 2-Prozent-Ziel der BOJ liegt, hat in Verbindung mit Zinserhöhungen und der Entscheidung der BOJ, die Käufe japanischer Staatsanleihen (JGBs) zu reduzieren, die Renditen von Staatsanleihen über die meisten Laufzeiten hinweg auf Mehrjahreshochs getrieben. Positiv zu vermerken ist, dass sich Japans Haushaltslage in den letzten Jahren verbessert hat. Zum ersten Mal seit dem Geschäftsjahr 2007 verringerte sich das Primärdefizit im Geschäftsjahr 2024 auf rund 1 % des BIP. Diese Verbesserung ist größtenteils auf steigende Steuereinnahmen zurückzuführen, da die Abwertung des Yen und die Inflation nach der Pandemie die Einnahmen aus der Körperschafts- und der Verbrauchssteuer ankurbelten, während höhere Löhne die Einkommenssteuereinnahmen steigerten. Das schrumpfende Primärdefizit führte zusammen mit einem starken nominalen BIP-Wachstum dazu, dass die Staatsverschuldung im Verhältnis zum BIP nach Schätzungen der Regierung von einem Höchststand von 216 % im Geschäftsjahr 2022 auf 207 % im Geschäftsjahr 2024 sank.
Diese Verbesserungen könnten sich jedoch wieder umkehren. Die anhaltende Inflation hat die Unzufriedenheit der Haushalte geschürt, was dazu führte, dass die Regierungskoalition ihre parlamentarische Mehrheit verlor und Forderungen nach einer expansiven Fiskalpolitik aus den meisten Parteien laut wurden. Die begrenzte Wirksamkeit vorübergehender Entlastungsmaßnahmen wie Bargeldauszahlungen und Subventionen bei der Linderung der Inflationslast hat Forderungen nach dauerhafteren Änderungen wie Senkungen der Kraftstoff- und Verbrauchssteuer ausgelöst. Beide Maßnahmen sind im kürzlich unter der Regierung Takaichi entworfenen Nachtragshaushalt enthalten. Die Umsetzung dieser Änderungen ohne die Sicherung alternativer Einnahmequellen oder Ausgabenkürzungen würde jedoch unweigerlich die Risiken für die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen erhöhen.
Anzeichen für eine Rückkehr zu „Abenomics“ und sich verschlechternde Beziehungen zu China
Japans regierende Liberaldemokratische Partei (LDP) wählte am 4. Oktober Sanae Takaichi, eine Schlüsselfigur im Kabinett des ehemaligen Premierministers Abe und Zweitplatzierte im LDP-Vorsitzwahlkampf des vergangenen Jahres, zu ihrer neuen Vorsitzenden. Sie trat die Nachfolge von Shigeru Ishiba an, der nach dem Verlust der Mehrheit der Partei im Oberhaus zurückgetreten war. Ihr Weg zum Amt der Premierministerin verlief jedoch alles andere als reibungslos und wurde durch den Austritt der Komeito aus der jahrzehntelangen Koalition erschwert, was jedoch später durch eine neue Partnerschaft mit der Japan Innovation Party gelöst wurde. Takaichi ist eine lautstarke Verfechterin von „Abenomics“, hat jedoch auch Respekt für die Unabhängigkeit der Bank of Japan bei der Normalisierung der Geldpolitik signalisiert – vor dem Hintergrund anhaltenden Inflationsdrucks und eines schwachen Yen. Folglich wird erwartet, dass ihr Ansatz zur Konjunkturbelebung stark auf fiskalische Maßnahmen setzt, wie das massive Konjunkturpaket verdeutlicht, das bereits einen Monat nach ihrem Amtsantritt verabschiedet wurde. Im Einklang mit Abes Vermächtnis hat sich Takaichi zudem für eine selbstbewusste Außenpolitik eingesetzt, darunter die Beschleunigung der Pläne zur Anhebung der Verteidigungsausgaben auf 2 % des BIP und die Änderung der Verfassungsbestimmungen, die Japan den Besitz von Streitkräften verbieten.
Unterdessen liegen Japan und China im Clinch, nachdem Premierministerin Takaichi erklärt hatte, ein militärischer Angriff Chinas auf Taiwan könne für Japan eine „existenzbedrohende Situation“ darstellen. Dies könnte ein potenzielles Szenario sein, das Japans Anwendung von Gewalt gemäß seiner Sicherheitsgesetzgebung von 2015 rechtfertigen würde, die den Anwendungsbereich der kollektiven Selbstverteidigung unter drei neuen Bedingungen erweitert hat. Obwohl Takaichi versprochen hat, ähnliche Äußerungen künftig zu vermeiden, verurteilte Peking die Erklärung als Einmischung in seine inneren Angelegenheiten und brachte das Thema vor den Vereinten Nationen zur Sprache. Auf wirtschaftlicher Ebene hat China mit Vergeltungsmaßnahmen reagiert, indem es die Einfuhr japanischer Meeresfrüchte ausgesetzt und einen Tourismusboykott verhängt hat, was Japans Exporte und den Konsum durch ausländische Besucher belastet hat. Jede weitere Eskalation der Spannungen birgt das Risiko einer Störung der Lieferketten in den Bereichen IKT und fortschrittliche Fertigung. Ausgehend von Präzedenzfällen wie den Handelsspannungen zwischen China und den USA sowie dem japanisch-koreanischen Konflikt im Jahr 2019 könnte China die Ausfuhr von Seltenen Erden – die für Elektrofahrzeugbatterien und Halbleiter von entscheidender Bedeutung sind – einschränken, während Japan die Kontrollen für Präzisionsgeräte und Spezialchemikalien verschärfen könnte, die für die Chipherstellung unerlässlich sind.

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