Mauretanien

Afrika

BIP pro Kopf ($)
$2,403.7
Bevölkerung (im Jahr 2021)
4,4 Millionen

Bewertung

Länderrisiko
C
Geschäftsklima
C
Zuvor
C
Zuvor
C
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Zusammenfassung

Stärken

  • Ein gewisses Maß an makroökonomischer Stabilität auch unter schwierigen Umständen
  • Bodenschätze (Eisenerz, Gold, Kupfer, Uran) und Fischerei
  • Energiepotenzial (Gas, grüner Wasserstoff)
  • Relativ umfangreiche inländische Haushaltsmittel
  • Finanzielle Unterstützung durch bilaterale und multilaterale Partner
  • Deutlich geringeres Dschihadistenrisiko als in den Nachbarländern der Sahelzone

Schwächen

  • Mangelhafte Regierungsführung: hohe Korruptionsrate, fehlende Insolvenzverfahren
  • Geringe wirtschaftliche Diversifizierung, Anfälligkeit gegenüber der Erschöpfung der Fischbestände sowie gegenüber Schwankungen der Rohstoffpreise und Wetterbedingungen (wiederkehrende Dürren)
  • Kaum inklusives Wachstum, mangelhaftes Bildungssystem, hohe Arbeitslosenquote (10 %), hohe Armutsquote (57 % der Bevölkerung leben in multidimensionaler Armut)
  • Sehr wenig Ackerland, mehr als zwei Drittel der Landesfläche sind Wüste
  • Diskriminierung der Harratin-Bevölkerung, auch „Schwarze Mauren“ genannt, die 40 % der Bevölkerung ausmachen und Nachkommen der Sklaven der Beydanes, der „Weißen Mauren“, sind

Handelsaustausch

Exportvon Waren in % der Gesamtmenge

Kanada
24%
China
22%
Europa
14%
Algerien
9%
Schweiz
7%

Importvon Waren in % der Gesamtmenge

Europa 35 %
35%
Vereinigte Arabische Emirate 18 %
18%
China 7 %
7%
Brasilien 4 %
4%
Marokko 4 %
4%

Ausblick

Dieser Abschnitt ist ein wertvolles Instrument für Finanzverantwortliche und Kreditmanager in Unternehmen. Er enthält Informationen über die Zahlungs- und Inkassopraktiken, die in dem Land üblich sind.

Wirtschaftswachstum durch Rohstoffprojekte

Für 2025 wird eine Verlangsamung des Wachstums erwartet, gebremst durch die schwache Entwicklung im Goldsektor, der in der ersten Jahreshälfte in Tasiast einen Produktionsrückgang von 20 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verzeichnete, sowie durch Verzögerungen beim Start der kommerziellen Produktion im gemeinsam mit Senegal betriebenen Gasprojekt „Greater Tortue Ahmeyim“ (GTA).

Im Jahr 2026 dürfte sich das Wachstum beschleunigen, angetrieben durch die volle Gasproduktion. Die erste Phase des GTA-Projekts, das von BP (Großbritannien) und Kosmos Energy (USA) betrieben wird, begann im Januar 2025 mit einer geschätzten Kapazität von 2,5 Millionen Tonnen LNG pro Jahr. Dieses Gas wird zur nationalen Stromerzeugung und zu den Exporten beitragen, die im April 2025 begonnen haben. Gleichzeitig werden ausländische Investitionen die Entwicklung des Uransektors unterstützen. Das erste Förderprojekt in der Region Tiris Zemmour wird von dem australischen Unternehmen Aura Energy geleitet, das im Juli 2024 die endgültige Bau- und Betriebsgenehmigung erhielt. Die endgültige Investitionsentscheidung wird bis Ende 2025 erwartet, wobei die Anfangsfinanzierung auf 230 Millionen US-Dollar geschätzt wird. Zudem werden die weltweit hohen Preise für Gold (39 % der Exporte) und Eisenerz (28 % der Exporte) die Bergbauproduktion stützen. Mehrere multinationale Konzerne haben zudem Vereinbarungen zur Erschließung des Potenzials des Landes im Bereich grüner Wasserstoff unterzeichnet; Investitionsentscheidungen werden für 2026 erwartet.

Gleichzeitig wird die Wirtschaft von einem robusten Dienstleistungssektor (48 % des BIP im Jahr 2024) profitieren, der durch den Ausbau der Telekommunikationsinfrastruktur angetrieben wird. Moderate Preise für Öl und Nahrungsmittel, die die wichtigsten Importgüter darstellen, dürften den privaten Konsum (53 % des BIP) stützen. Das Wachstum im Primärsektor wird jedoch begrenzt sein. Nach einem Höchststand im Jahr 2024 (1,5 Millionen Tonnen Fangmenge und über 1 Million Tonnen Export) wird sich die Aktivität im Fischereisektor voraussichtlich wieder normalisieren. Die allmähliche Erschöpfung der Fischbestände stellt ein großes Risiko für die Wirtschaft dar, da der Sektor fast 10 % des BIP und 23 % der Exporte ausmacht und mehr als 50.000 Menschen beschäftigt.

Das Doppeldefizit wird dank der Gasexporte zurückgehen

Das öffentliche Defizit wird 2025 weiter zurückgehen. Die Regierung wird die Haushaltskonsolidierung vorantreiben, wobei die Einnahmen aus nicht-extraktiven Sektoren durch die Einführung einer neuen CO₂-Steuer, eine verbesserte Steuererhebung und die Abschaffung mehrerer Steuerbefreiungen gesteigert werden sollen. Darüber hinaus werden höhere Gaslizenzgebühren die öffentlichen Einnahmen stützen und die gestiegenen Ausgaben für Kapitalinvestitionen und Sozialtransfers ausgleichen. Für 2026 wird erwartet, dass die Behörden ihre Bemühungen im Rahmen der Vereinbarungen mit dem Internationalen Währungsfonds fortsetzen. Seit Januar 2023 profitiert Mauretanien von einer Erweiterten Fondsfazilität (Extended Fund Facility) und einer Erweiterten Kreditfazilität (Extended Credit Facility) mit einer Laufzeit von 42 Monaten und einem Gesamtvolumen von 86,9 Millionen US-Dollar. Im Dezember 2023 gewährte der IWF zudem eine Resilience- und Sustainability-Fazilität in Höhe von 258,21 Mio. USD über einen Zeitraum von 31 Monaten. Im Rahmen dieser drei Programme wurden bereits fast 150 Mio. USD ausgezahlt.

Im Jahr 2026 dürfte sich das hohe Leistungsbilanzdefizit weiter verringern, vor allem aufgrund eines geringeren Handelsdefizits. Das Wachstum der Kohlenwasserstoffexporte wird den Rückgang der Nicht-Energie-Exporte (insbesondere Fisch) teilweise ausgleichen. Vor allem der Rückgang der Importe wird zur Verbesserung der Handelsbilanz beitragen. Zunächst dürften die Importe von Investitionsgütern nach Abschluss der ersten Phase des GTA-Projekts zurückgehen. Anschließend dürften niedrigere weltweite Öl- und Lebensmittelpreise die Importkosten senken. Das Dienstleistungsdefizit (7 % des BIP im Jahr 2024) dürfte hoch bleiben, da Investitionen im Rohstoffsektor die hohen Importkosten stützen. Das Defizit wird hauptsächlich durch ausländische Direktinvestitionen und Kredite von bilateralen und multilateralen Partnern finanziert, wobei letztere rund 60 % der ausstehenden Auslandsschulden (86 % der gesamten Staatsverschuldung) ausmachen.

Politische Stabilität und begrenztes Dschihadistenrisiko

Präsident Mohamed Ould Cheikh Ahmed Ghazouani wurde im Juni 2024 mit 56 % der Stimmen für eine zweite und gemäß der Verfassung letzte Amtszeit wiedergewählt. Das Land ist regelmäßig von sozialen Unruhen betroffen, die mit ethnischer Diskriminierung zulasten der Harratin-Gemeinschaft, hoher Arbeitslosigkeit und niedrigem Lebensstandard zusammenhängen. Dies dürfte jedoch die politische Stabilität kaum gefährden, da Ghazouani als ehemaliger General die Unterstützung der Streitkräfte genießt. Zudem verfügt die Präsidentschaftspartei El Insaf über eine parlamentarische Mehrheit, nachdem sie bei den Parlamentswahlen im Mai 2023 107 von 176 Sitzen gewonnen hatte.

Außenpolitisch dürften die Instabilität und die Präsenz von Dschihadisten in anderen Ländern der Sahelzone sowie der Konflikt zwischen Marokko und der Polisario-Front in der Westsahara den Zustrom von Flüchtlingen nach Mauretanien verstärken. Dank anhaltender Investitionen in Verteidigung, Sicherheit und Nachrichtendienste hat das Land jedoch seit 2011 keine dschihadistischen Anschläge mehr erlebt.

Die Stärkung der bilateralen Beziehungen zu anderen arabischen Ländern, insbesondere zu Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten, wird durch deren Finanzierungen und Investitionen – vor allem im Bereich des grünen Wasserstoffs – sowie durch den Ausbau der Handelsbeziehungen fortgesetzt. Die Zusammenarbeit mit dem Senegal wird weiterhin aktiv sein, insbesondere im Zusammenhang mit der gemeinsamen Erschließung von Offshore-Gasvorkommen im Rahmen des GTA-Projekts. Schließlich wird das Land seine Beziehungen zur Europäischen Union (EU) und zu den USA aufrechterhalten, die beide an dem Energiepotenzial und der geografischen Lage des Landes interessiert sind. Anfang 2025 bekräftigte die EU ihr Engagement für die „Global Gateway“-Initiative durch finanzielle Unterstützung in den Bereichen Migrationsmanagement, Schaffung von Arbeitsplätzen und Sicherheit. Darüber hinaus könnte Mauretanien von einem präferenziellen Marktzugang zu den USA profitieren, nachdem bei einem Treffen zwischen den Präsidenten Ghazouani und Trump im Juli 2025 die Rolle des Landes als strategischer militärischer Partner und potenzielles Ziel für US-Investitionen in der Region hervorgehoben wurde.

Zuletzt aktualisiert: November 2025