Steigende Insolvenzzahlen, unsichere Märkte und ein anhaltend hoher Wettbewerbsdruck stellen das Kreditmanagement vor einen schwierigen Spagat: Geschäft ermöglichen und dabei gleichzeitig Risiken begrenzen. Besonders sichtbar wird dieses Spannungsfeld, wenn sich die Bonität eines Abnehmers verschlechtert, die Geschäftsbeziehung aber weiterhin strategisch wichtig ist. In solchen Situationen geraten traditionelle Kreditlimite mitunter an Grenzen. Dann stellt sich die Frage: Gibt es Möglichkeiten, zusätzliche Risiken kontrolliert zu übernehmen?
Die Warenkreditversicherung schützt Unternehmen vor Forderungsausfällen und dient zugleich als wichtiges Frühwarnsystem. Veränderungen im wirtschaftlichen Umfeld von Unternehmen, Branchen oder Ländern werden laufend analysiert und in die Risikobewertung mit einbezogen. Führt dies zur Anpassung eines Kreditlimits, müssen Credit Manager die Konsequenzen für ihr Forderungsportfolio neu bewerten. Dabei können unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen: Während der Kreditversicherer Risiken primär auf Basis seiner Bewertung und aktueller Informationen zur Geschäftsentwicklung absichert, berücksichtigt das Unternehmen zusätzlich eigene Erfahrungen. Dabei decken sich die Risikoeinschätzung des Versicherers und die wirtschaftlichen Interessen des Unternehmens nicht immer. Eine langjährige Kundenbeziehung und profitable Aufträge können dafürsprechen, die Zusammenarbeit fortzuführen. Gefragt sind dann Lösungen, die eine ausgewogene Balance zwischen Wachstum und Absicherung ermöglichen.
Zusätzliche Deckung für mehr Möglichkeiten
Ziel des Kreditversicherers ist es grundsätzlich, ein Kreditlimit zu zeichnen und damit Geschäfte zu ermöglichen. Denn funktionierende Kreditlimite schaffen Planungssicherheit für Lieferanten und ihre Kunden. Zusatzdeckungen bzw. Top-up-Cover-Lösungen kommen typischerweise dann ins Spiel, wenn ein Limit nicht in der gewünschten Höhe dargestellt werden kann, eine Erhöhung des Limits nicht realisiert werden kann oder eine bestehende Deckung reduziert werden musste. Damit handelt es sich nicht um einen Ersatz zur Kreditprüfung, sondern um eine zusätzliche Option für besondere Situationen. Die Einschätzung des Kreditversicherers bleibt dabei unverändert. Vielmehr erhält der Versicherungsnehmer die Möglichkeit, zusätzliche Deckungskapazitäten für ausgewählte Debitoren zu erwerben und bestimmte Geschäfte innerhalb eines klar definierten Rahmens abzusichern.
Besonders deutlich wird der Nutzen solcher Instrumente in Phasen wirtschaftlicher Unsicherheit. Wenn Insolvenzen steigen, Finanzierungsbedingungen schwieriger werden oder einzelne Branchen unter Druck geraten, nehmen Limitanpassungen naturgemäß zu. Gleichzeitig möchten viele Unternehmen wichtige Kundenbeziehungen nicht vorschnell zurückfahren. Daraus ergibt sich eine neue Handlungsoption: Geschäftschancen können weiterhin genutzt werden, ohne vollständig auf Absicherung zu verzichten. Die Entscheidung bleibt dabei transparent und kalkulierbar. Die zusätzliche Deckung wird für einen klar definierten Betrag und einen vorher festgelegten Zeitraum erworben. Dadurch lassen sich Risikoübernahme und Wirtschaftlichkeit besser ausbalancieren.
Gezielter Schutz für ausgewählte Engagements
In der Praxis zeigt sich, dass Zusatzdeckungen vor allem dort genutzt werden, wo Risiken zeitlich begrenzt oder auf einzelne Geschäftsbeziehungen konzentriert sind. So benötigen manche Unternehmen etwa bei saisonalen Umsatzspitzen im Vorweihnachtsgeschäft, zum Saisonstart oder im Projektgeschäft vorübergehend höhere Absicherungskapazitäten, ohne dauerhaft höhere Kreditlimite vorhalten zu müssen. Mit individuell wählbaren Laufzeiten können Zusatzdeckungen solche temporären Spitzen gezielt auffangen. Bei der Zusatzdeckung TopLiner von Coface kann der Gültigkeitszeitraum beispielweise flexibel zwischen 30 und 90 Tagen festgelegt werden.
Gleichzeitig werden solche Lösungen häufig für ausgewählte Debitoren eingesetzt. Sowohl mittelständische Unternehmen als auch Konzerne versichern oft eine Vielzahl von Kunden, benötigen zusätzlichen Versicherungsschutz aber nur für wenige strategisch wichtige Abnehmer. Ist ein Auftrag besonders attraktiv oder eröffnet sich eine bedeutende Geschäftschance, kann eine Zusatzdeckung dabei helfen, zusätzliche Umsätze trotz eines nicht ausreichend verfügbaren Limits kontrolliert abzusichern.
Nicht zuletzt können auch vertragliche Lieferverpflichtungen eine Rolle spielen. Wenn Lieferanten langfristige Vereinbarungen getroffen haben, können reduzierte Lieferungen Vertragsstrafen, Schadenersatzforderungen oder den Verlust wichtiger Kundenbeziehungen nach sich ziehen. In solchen Situationen kann eine Zusatzdeckung dazu beitragen, bestehende Lieferverpflichtungen weiterhin unter Versicherungsschutz zu erfüllen.
Geschwindigkeit wird zum Faktor
Ein weiterer Aspekt gewinnt im operativen Kreditmanagement zunehmend an Bedeutung: Geschwindigkeit. Ist die grundsätzliche Risikoeinschätzung bereits vorhanden, lassen sich moderne Zusatzdeckungslösungen weitgehend automatisiert bereitstellen. Anfrage, Kalkulation, Quotierung und Entscheidung erfolgen online. Die Höhe der Prämie wird direkt angezeigt und kann unmittelbar in die wirtschaftliche Bewertung eines Geschäfts einbezogen werden. Das schafft Transparenz und erleichtert die Entscheidungsfindung, was gerade bei zeitkritischen Aufträgen einen Mehrwert bietet. So lässt sich früh beurteilen, ob die erwartete Marge in einem angemessenen Verhältnis zu den Kosten der zusätzlichen Absicherung steht.
Fazit
Gerade in wirtschaftlich volatilen Zeiten stehen Credit Manager vor der Herausforderung, Risiken zu begrenzen, ohne das Wachstum auszubremsen. Zusatzdeckungen erweitern dabei den Werkzeugkasten des Kreditmanagements um eine zusätzliche, kalkulierbare Option. Sie ersetzen weder die Kreditprüfung noch die klassische Kreditversicherung. Sie schaffen jedoch dort Flexibilität, wo Standardlösungen nicht immer alle geschäftlichen Anforderungen abbilden können. Als Baustein des professionellen Risikomanagements leisten sie einen Beitrag dazu, wirtschaftliche Beziehungen auch unter schwierigen Rahmenbedingungen aufrechtzuerhalten und verantwortbar weiterzuentwickeln.
Dieser Beitrag ist in Ausgabe 3/2026 von Der CreditManager erschienen.
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Zusatzdeckung von Coface
Die im Beitrag beschriebenen Top-up-Cover-Lösungen bietet Coface unter dem Namen TopLiner an. Die Zusatzdeckung kann für ausgewählte Debitoren mit einer frei wählbaren Laufzeit zwischen 30 und 90 Tagen online abgeschlossen werden. Voraussetzung ist, dass die versicherten Lieferungen oder Leistungen innerhalb des gewählten Zeitraums erbracht werden. Für daraus entstehende Forderungen besteht der Versicherungsschutz anschließend weiterhin im Rahmen der Bedingungen des zugrunde liegenden Kreditversicherungsvertrags.
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