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21.05.2013
Länder- und Branchenbewertungen, Kongress Länderrisiken, Wissen

Geldschwemme gegen die Krise

© Coface
Prof. Max Otte ist sich sicher, der Euro wird die nächsten fünf Jahre noch bestehen. Wie und in welcher Form in zehn Jahren ist offen.

Prof. Otte stellte als Keynote-Speaker beim Kongress Länderrisiken die Frage „Cash oder Crash für die Weltwirtschaft?“ Die Antwort: Mit Cash werde derzeit versucht, den Euro zu retten und die Probleme in Europa – nicht nur die wirtschaftlichen – zu bekämpfen. Eine Hyperinflation werde die Politik nicht zulassen, sagte er. „Das wäre peinlich. Vielmehr geht es in Richtung schleichende Enteignung.“ Da die Anlagezinsen unter dem Preisanstieg liegen, gebe es eine „gefühlte Inflation“, die sicher vier bis fünf Prozentpunkte über der offiziellen Inflationsrate liege.

„Das Sparbuch in Deutschland ist sicher. Es schmilzt nur vor sich hin.“Prof. Max Otte beim Kongress Länderrisiken

Die Staatsverschuldung sieht Prof. Otte als direkte Konsequenz der Exzesse bestimmter Bereiche des Finanzsektors. Jetzt versuchten die Zentralbanken mit Liquidität die Misere zu bekämpfen: Mit Cash gegen die Krise! Das Leitzinsniveau liege nah Null, die geöffneten Pipelines erleichterten den Finanzfluss an die Finanzakteure. „Auf der anderen Seite wird mit Regularien wie Basel II und Basel III die Kreditversorgung der Realwirtschaft erschwert“, kritisierte Prof. Otte ein Ungleichgewicht. „Bei den Unternehmen kommt von der Cash-Schwemme relativ wenig an.“

Warum ist es so weit gekommen, dass Regierungen und Notenbanken ganze Staaten und den Euro vor der Pleite retten müssten? Die entscheidenden Fehler seien bereits bei der Konstruktion des Euro-Raumes gemacht worden. „Europa erfüllt nicht die optimalen Kriterien für einen einheitlichen Währungsraum“, wiederholte Prof. Otte seine Kritik, die er, wie einige weitere unabhängige Wissenschaftler, bereits zur Einführung des Euro erhoben hatte. „Das war ein fundamentaler Konstruktionsfehler aufgrund des Primats der Politik und der Diplomatie.“ Zwar gebe es erkennbare Nutzeneffekte wie  einheitliche Bilanzierung und erleichterte Exporte. Zudem sei die Währung ja auch stabil und bei finanzstarken Ländern als starke Reservewährung gefragt. Auf der „Kostenseite“ stünden aber die allgemeinpolitischen und wirtschaftspolitischen Probleme und zunehmend auch soziale Verwerfungen. „Der Euro ist stark, Europa ist stark, aber nicht unbedingt einig.“

„Die massiven Staatshilfen sind die Abwälzung der Risiken auf alle.“Prof. Max Otte beim Kongress Länderrisiken

Für Prof. Otte wären „selektive Exits aus der Euro-Zone“, also der Austritt einzelner Länder aus der gemeinsamen Währung, kein Problem. „Das kann den Druck nehmen und den Kern erhalten.“ Für realistisch hält er das Szenario aber nicht, nicht einmal für wahrscheinlich. „Die Fiktion, alles zusammen halten zu müssen, ist nicht richtig. Die Politik wird aber alles daran setzen.“ Auch deshalb pumpten die Notenbanken billiges Geld in den Finanzmarkt. Dies sei mehr „durchlavieren“ als eine langfristige Stabilitätsperspektive. Schnelles und starkes Wachstum sei nicht zu erwarten, stattdessen seien höhere Steuern wahrscheinlich. Und für einige Länder sei ein Schuldenschnitt, auch durch Inflation, durchaus denkbar.

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