Angesichts des explosionsartigen Wachstums von Künstlicher Intelligenz erleben Rechenzentren einen nie dagewesenen Boom – angetrieben durch Rekordinvestitionen und eine starke Konzentration in den USA. Eine aktuelle Coface-Analyse untersucht, ob dieses rasante Wettrennen tatsächlich eine nachhaltige Transformation der Wirtschaft einleiten kann oder die Branche neuen Risiken und erheblichen Ungleichgewichten aussetzt.
Wichtige Kennzahlen
- 475 Mrd. US-Dollar: Investitionen in IT-Ausstattung für Rechenzentren im Jahr 2025
- 750 Mrd. US-Dollar: Wert laufender oder geplanter Projekte, die bis 2030 wegen Überlastung der US-Energieinfrastruktur verzögert werden könnten
- Etwa 20% des US-Wirtschaftswachstums im Q2/2025 gingen auf den Ausbau KI-orientierter Rechenzentren zurück
- 130 GW: Prognostizierte globale Rechenzentrumskapazität für 2030 – 2,3 mal mehr als 2024.
Rechenzentren: neue Säulen der digitalen Wirtschaft
Seit dem Release von ChatGPT 3.5 im November 2022 hat sich Künstliche Intelligenz aus den Forschungslabors in den Massenmarkt bewegt und eine Welle von Rekordinvestitionen ausgelöst. Innerhalb von weniger als drei Jahren stieg die kombinierte Marktkapitalisierung von Nvidia, Microsoft, Alphabet, Amazon und Meta um mehr als 12 Billionen US-Dollar und trieb die US-Börsen an.


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Die Ausgaben für IT-Ausstattung von Rechenzentren haben sich verdoppelt – von 221 Milliarden US-Dollar im Jahr 2022 auf 475 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025. KI und Rechenzentren trugen damit rund ein Fünftel zum BIP-Wachstum der Vereinigten Staaten im zweiten Quartal 2025 bei.
Rasanter Ausbau stößt an technische, geografische und personelle Grenzen
Das schnelle Wachstum trifft auf erhebliche Hürden: begrenzte Flächen, der Zugang zu Wasser, Stromnetzkapazitäten und Fachkräftemangel. Für jede in KI-Rechenzentren investierte Milliarde US-Dollar werden zusätzlich 125 Millionen US-Dollar im Energiesektor benötigt – zwei Drittel für das Netz, ein Drittel für die Erzeugung. In den USA, wo mehr als die Hälfte der neuen globalen Kapazität entsteht, können die Netzanschlüsse für große Rechenzentren fünf Jahre oder länger dauern. Die Konzentration auf wenige US-Hubs wie Virginia, Atlanta oder Phoenix erhöht das Risiko lokaler Engpässe – in einigen Regionen haben sich die Strompreise bereits verdreifacht. Weltweit könnten bis 2030 Projekte im Wert von über 750 Milliarden US-Dollar durch diese Engpässe verzögert werden.


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Risiko von Überkapazitäten
Eine weitere große Herausforderung ist die Unsicherheit mit Blick auf die künftige Nachfrage: Prognosen zum Kapazitätsbedarf bis 2030 variieren um bis zu 80%. Ein Überangebot an Kapazitäten könnte die gesamte Branche erschüttern. Betroffen wären nicht nur große und finanzstarke Hyperscaler wie Microsoft, Meta, Alphabet und Amazon, sondern vor allem die weniger bekannten, aber entscheidenden Rechenzentrumsanbieter. Sie kontrollieren über zwei Drittel der verfügbaren Kapazitäten und sollen bis 2030 rund die Hälfte des Wachstums stemmen. Ein Investitionsstopp würde die gesamte Lieferkette treffen: Unternehmen gerieten in die Zwickmühle zwischen hohen, bereits zugesagten Investitionen und einer deutlich schwächeren Nachfrage.
Derzeit treibt KI das Wirtschaftswachstum an, ohne es jedoch grundlegend zu verändern.
„Der Aufstieg der Rechenzentren im KI-Zeitalter ist eine gewaltige Wette: Er verspricht enorme Fortschritte, birgt aber auch beispiellose Risiken von Überhitzung und Ungleichgewicht. Damit dieser Boom nachhaltig wirkt, muss er sich in echte Produktivitätsgewinne und die Schaffung neuer Dienstleistungen in großem Maßstab übersetzen – über reines Investitionswachstum hinaus. Derzeit treibt KI das Wirtschaftswachstum an, ohne es jedoch grundlegend zu verändern“, erklärt Coface-Branchenanalyst Aurélien Duthoit.
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