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14.05.2020
Länder- und Branchenbewertungen, Pressemeldung

Insolvenzwelle durch Corona

Coface:-Insolvenzen-steigen-weltweit

Die COVID-19-Epidemie in China betraf zunächst nur eine begrenzte Anzahl von Wertschöpfungsketten. Doch inzwischen hat sie sich zu einer globalen Pandemie entwickelt. Ihre Auswirkungen haben einen doppelten Schock - Angebot und Nachfrage - ausgelöst, der eine große Anzahl von Industrien in der ganzen Welt betrifft. In den Schwellenländern könnte der Schock noch heftiger sein: Neben der Bewältigung der Pandemie, die für sie schwieriger sein wird, sind sie auch mit dem Rückgang der Ölpreise sowie mit Kapitalabflüssen konfrontiert, die sich im Vergleich zu 2008 vervierfacht haben.

 

In diesem Zusammenhang prognostiziert Coface, dass die Weltwirtschaft 2020 die erste Rezession seit 2009 mit einer Wachstumsrate von -1,3% (nach +2,5% im Jahr 2019) erleben wird. Coface erwartet außerdem Rezessionen in 68 Ländern (gegenüber nur 11 im letzten Jahr), einen Rückgang des Welthandels um 4,3% in diesem Jahr (nach einem Rückgang von -0,4% im Jahr 2019) und eine weltweite Zunahme der Unternehmensinsolvenzen um 25% (im Vergleich zu unserer letzten Januarprognose von +2%).

 

Unternehmensinsolvenzen: plus 25 Prozent für 2020 erwartet
Das Kreditrisiko der Unternehmen wird selbst in einem "Best-Case"-Szenario, bei dem die Wirtschaftstätigkeit im dritten Quartal des Jahres allmählich wieder aufgenommen wird und es in der zweiten Hälfte des Jahres 2020 keine zweite Welle der Coronavirus-Epidemie gibt, sehr hoch sein. Diese Entwicklung der Insolvenzen würde die Vereinigten Staaten (+39%) und alle wichtigen westeuropäischen Volkswirtschaften (+18%) betreffen: Deutschland (+11%), Frankreich (+15%), Vereinigtes Königreich (+33%), Italien (+18%) und Spanien (+22%). In den Schwellenländern könnte der Schock noch heftiger ausfallen: Neben der Bewältigung der Pandemie, die für sie schwieriger sein wird, sind sie auch mit dem Rückgang der Ölpreise sowie mit Kapitalabflüssen konfrontiert, die sich gegenüber dem Stand von 2008 vervierfacht haben.

 

Nur wenige Branchen verschont

Die Maßnahmen, die von den Regierungen in mehr als 40 Ländern ergriffen wurden, um die Ausbreitung des COVID-19-Virus einzudämmen, haben zu einem Angebotsschock geführt, wie er bei früheren großen Krisen nicht beobachtet wurde. Der anfängliche Schock war nicht auf eine Finanzkrise zurückzuführen, sondern bezog sich auf die Realwirtschaft: Menschen können nicht arbeiten, und die Unternehmen erleben Unterbrechungen bei der Versorgung mit Zwischengütern.

Tourismus, Hotel- und Gaststättengewerbe, Freizeit und Verkehr sind stark betroffen, ebenso wie fast alle spezialisierten Vertriebssegmente und die meisten Sektoren des verarbeitenden Gewerbes (mit Ausnahme der Agrar- und Nahrungsmittelindustrie). Andere Dienstleistungssektoren sind weitaus weniger betroffen: Telekommunikation, Wasserversorgung und Abwasserentsorgung, um nur einige zu nennen.

Mit diesem Angebotsschock geht ein ebenso brutaler Nachfrageschock einher. Viele Verbraucher streichen oder verschieben ihre Ausgaben für Waren und Dienstleistungen. Darüber hinaus wird das Vertrauen der Haushalte durch die Auswirkungen der Einschränkung geschwächt. Langlebige Verbrauchsgüter wie Fahrzeuge werden wahrscheinlich zu den am stärksten von diesem Schock betroffenen Waren zählen. Auch andere Ausgaben, wie für Textilien und Kleidung sowie Elektronik, werden wahrscheinlich auf fast null reduziert werden. Am anderen Ende des Spektrums könnte der Verbrauch von Agrarnahrungsmitteln und pharmazeutischen Produkten von dieser Ausnahmesituation sogar profitieren.

 

Die politischen Folgen der Pandemie

Die offensichtlichste Folge der Pandemie ist kurzfristig die Verschärfung der bestehenden geopolitischen Spannungen. Die Gefahr einer neuen Welle protektionistischer Maßnahmen, die vor allem auf die Schlüsselbereiche der neuen Gesundheits- und Wirtschaftsordnung abzielen (z.B. Begrenzung der Exporte von als lebenswichtig erachteten Agrar- und/oder Pharmazeutika), kann nicht ausgeschlossen werden. Die Fortsetzung des "Handelskrieges" zwischen den USA und China, der auf strategische Sektoren, insbesondere die Elektronik, abzielt, bleibt ebenfalls eine Möglichkeit. Dies könnte durch den Präsidentschaftswahlkampf in den Vereinigten Staaten und/oder durch den Anstieg der sozialen Proteste in einem dieser beiden Länder verstärkt werden.

Ausführliche Infos in der Studie zum Download auf dieser Seite ("Siehe auch"). 

 

Uns wurde auf diese Prognose hin, die großes Echo in den Medien erfahren hat, vielfach die Frage gestellt: Ist Coface da nicht zu optimistisch, ist nicht mit viel mehr Insolvenzen zu rechnen? Christiane von Berg problemtisiert daher in einem neuen Coface "Update" den Unterschied zwischen Anzahl und Auswirkung. Zum Coface Update! 

Presseveröffentlichung herunterladen : Insolvenzwelle durch Corona (249,11 kB)

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Erich HIERONIMUS

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