Die militärische Eskalation zwischen den USA, Israel und Iran setzt die Energiemärkte massiv unter Druck. Obwohl bislang keine größeren Lieferunterbrechungen gemeldet wurden, stellen die Risiken rund um die Straße von Hormus eine Bedrohung für die Weltwirtschaft dar, sollten die Konflikte anhalten.
Zentrale Daten im Überblick
- 20% des weltweiten Ölverbrauchs passieren die Straße von Hormus.
- Bis zu 147 USD/Barrel: ein historisches Niveau, das der Brent-Preis im Falle langanhaltender Störungen überschreiten könnte
Ein Konflikt, der sich nur über wenige Tage oder Wochen erstreckt – was aktuell das wahrscheinlichste Szenario ist – sollte nur begrenzte Auswirkungen haben. Sollte der Konflikt jedoch länger andauern, könnten die makroökonomischen Folgen erheblich sein und weit über die Frage der Energiepreise hinausgehen.
Ruben Nizard, Head of Sector & Political Risk Analysis bei Coface.
Unmittelbare kurzfristige Auswirkungen auf die Energiemärkte
Die US-amerikanischen und israelischen Angriffe im Iran markieren einen Wendepunkt für die Energiemärkte. Zu Handelsbeginn am Montagmorgen (2. März 2026) sprang der Brent-Preis um mehr als 10% – eine Reaktion, die vor allem die gestiegenen geopolitischen Spannungen widerspiegelt und weniger tatsächliche Lieferunterbrechungen.
Vor dieser Eskalation wiesen die Ölmärkte ein deutliches Überangebot auf. Eine hohe Produktion, insbesondere durch Nicht-OPEC+-Länder, sowie schnelle Neubefüllungen der Lagerbestände hielten die Preise niedrig (im Durchschnitt 68 USD pro Barrel im Jahr 2025). Der Konflikt nun stellt jedoch einen Wendepunkt dar: Er führt extreme Unsicherheit bezüglich der Versorgungssicherheit herbei.


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Die Straße von Hormus: strategischer Flaschenhals für Energie
Das Hauptrisiko liegt in der Straße von Hormus. Rund 20% des weltweit konsumierten Öls und fast 30% aller Rohöl-Seetransporte passieren diese Passage. Bereits heute führen erste Störungen zu steigenden Preisen.
Die Möglichkeit, die Straße von Hormus zu umgehen, ist stark begrenzt und reicht nicht aus, um einen größeren Ausfall zu kompensieren. Andauernde oder wiederholte Unterbrechungen könnten den Brent-Preis in den Bereich dreistelliger Werte treiben – mit der Möglichkeit, den Höchststand von Februar 2022 (122 USD/Barrel) oder sogar den Rekord aus 2008 (147 USD/Barrel) zu übertreffen.


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Öl: Bedrohung für Infrastruktur
Auch wenn Iran nicht der größte Öl-Produzent der Region ist, hätte eine Unterbrechung seiner Lieferungen unmittelbare Auswirkungen auf die ohnehin fragilen Märkte. Iran produziert über 3 Millionen Barrel pro Tag, davon werden mehr als 1,5 Millionen exportiert – hauptsächlich nach China. Ein Lieferstopp würde insbesondere asiatische Abnehmer dazu zwingen, auf teurere Alternativen auszuweichen, was den Preisdruck weiter erhöhen würde.
Zusätzlich könnte Iran auch Öl-Infrastruktur in anderen Golfstaaten angreifen. Die Auswirkungen würden dann vom Ausmaß und der Dauer der Schäden abhängen – in einem Umfeld, in dem die freie Kapazität der OPEC+ mit 4 bis 5 Millionen Barrel pro Tag gering ist und vor allem in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten konzentriert bleibt.
Folgen weit über den Ölmarkt hinaus
Die Straße von Hormus ist auch entscheidend für den Transport von LNG, Düngemitteln, Industriemetallen (z. B. Aluminium) und petrochemischen Produkten. Weitere wichtige Engpässe wie Bab al-Mandab oder der Suezkanal könnten ebenfalls betroffen sein. Dies würde die Frachtkosten und Versicherungsprämien steigen lassen. Darüber hinaus birgt die schrittweise Beeinträchtigung der Lieferketten ein zunehmendes Risiko für Engpässe und steigenden Inflationsdruck – besonders für jene Volkswirtschaften, die in hohem Maße von Energieimporten abhängig sind.
Langfristiges Risiko: ein globaler makroökonomischer Schock
Ein Extremszenario, in dem die Ölpreise dauerhaft über 100 US-Dollar pro Barrel liegen, würde einen neuen weltweiten Inflationsschub auslösen und die Zentralbanken voraussichtlich dazu zwingen, ihren Kurs zu ändern – weg von einer lockeren Geldpolitik hin zu einer breiten geldpolitischen Straffung.
Ein anhaltender Anstieg des Brent-Preises um 15 US-Dollar könnte das globale Wachstum um rund 0,2 Prozentpunkte verringern und die Inflation um nahezu 0,5 Prozentpunkte erhöhen. In einem solchen Umfeld würde das Risiko einer Stagflation – also einer Kombination aus schwachem Wachstum und hoher Inflation – erneut zu einer realen Bedrohung für die Weltwirtschaft werden, mit erheblichen Folgen für Unternehmen und den internationalen Handel.




