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Mittel- und Osteuropa: Stabile Insolvenzzahlen verdecken wachsende Risiken

Die Zahl der Insolvenzen in Mittel- und Osteuropa ist 2025 nahezu unverändert geblieben und um lediglich 0,26 Prozent gestiegen. Eine Analyse des internationalen Kreditversicherers Coface zeigt jedoch, dass sich hinter dieser scheinbaren Stabilität eine zunehmend fragile und uneinheitliche Lage verbirgt. Diese wird sowohl durch strukturelle Unterschiede zwischen den Ländern als auch durch konjunkturelle Belastungen in zentralen Branchen geprägt.

Insgesamt registrierte Coface 2025 in Mittel- und Osteuropa 46.161 Unternehmensinsolvenzen – ein Plus von nur rund 120 Fällen gegenüber dem Vorjahr. Hintergrund der stabilen Entwicklung sind unter anderem temporäre Entlastungen durch sinkende Inflation und nachlassenden Zinsdruck. 

Auf den ersten Blick wirkt die Entwicklung der Insolvenzen stabil, tatsächlich gehen die Trends zwischen den Ländern aber immer weiter auseinander. Ausschlaggebend für diese Dynamik sind zunehmend nationale Faktoren wie Regulierung, Fiskalpolitik oder die Abhängigkeit vom Exportgeschäft.

sagt Coface-Volkswirt Mateusz Dadej.

 

Insolvenztrends in der Region laufen zunehmend auseinander

Wie unterschiedlich sich die Märkte entwickeln, zeigt der Blick auf einzelne Länder: In Polen stiegen die Insolvenzen 2025 um 17,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, in Slowenien um 12,9 Prozent, in Serbien um 9,6 Prozent und in Tschechien um 8,7 Prozent. In Polen ist der kräftige Zuwachs auf die verstärkte Nutzung von Restrukturierungsverfahren zurückzuführen, die bereits in einem frühen Krisenstadium eingesetzt werden und die Zahl der gemeldeten Insolvenzen erhöhen. 

Demgegenüber gingen die Firmenpleiten in mehreren Ländern deutlich zurück, etwa in Kroatien (-18,6 Prozent), der Slowakei (-14,5 Prozent), Litauen (-13 Prozent) und Lettland (-7,4 Prozent). Auch Ungarn (−6,6 Prozent) und Bulgarien (−6,2 Prozent) verzeichneten rückläufige Zahlen, was teilweise auf eine Normalisierung nach vorherigen Sondereffekten zurückzuführen ist. 

Neben länderspezifischen Faktoren prägten 2025 auch externe Einflüsse die Entwicklung. So bremste die anhaltende Schwäche wichtiger Exportmärkte – insbesondere in der Eurozone und in Deutschland als zentralem Handelspartner – die Nachfrage und verstärkte die Unsicherheit für exportorientierte Unternehmen in der Region. 

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Zyklische Branchen bleiben besonders anfällig

Die unterschiedliche Entwicklung zwischen den Ländern spiegelt sich auch auf Branchenebene wider – dort allerdings mit klareren Mustern. Besonders angespannt bleibt die Lage in zyklischen Sektoren wie dem verarbeitenden Gewerbe, dem Bau und dem Transportsektor, die in vielen Ländern gleichzeitig unter Druck stehen. Hier kommen mehrere Faktoren zusammen: eine schwache Nachfrage, insbesondere aus Westeuropa, anhaltend hohe Kosten sowie erschwerte Finanzierungsmöglichkeiten. 

Zwar sorgten sinkende Inflation und nachlassender Zinsdruck 2025 zeitweise für Entlastung, diese Effekte reichten jedoch nicht aus, um die strukturellen Belastungen vollständig abzufedern“, sagt Mateusz Dadej. Hinzu kommen verzögert wirkende Belastungen aus früheren Preisschocks. Gleichzeitig stoßen viele Unternehmen bei der Weitergabe dieser Kosten zunehmend an Grenzen, was die Margen – vor allem bei kleinen und mittelständischen Betrieben – zusätzlich unter Druck setzt. 

 

Ausblick 2026: steigender Druck durch Energie und externe Risiken

Für 2026 erwartet Coface eine erneute Zunahme der Insolvenzen in Mittel- und Osteuropa. Treiber ist insbesondere die wieder gestiegene Volatilität auf den Energiemärkten, die Kosten spürbar ansteigen lässt und gleichzeitig die Nachfrage belastet. Als Nettoimporteur von Energie bleibt die Region besonders anfällig für externe Schocks. Gleichzeitig erhöhen steigende Insolvenzzahlen in wichtigen Handelspartnerländern wie Deutschland das Risiko von Kettenreaktionen entlang der Lieferketten.   

Die Rahmenbedingungen dürften sich 2026 weiter verschärfen. Steigende Energiepreise, schwache Nachfrage aus den Exportmärkten und zunehmende Ausfallrisiken bei Geschäftspartnern treffen viele Unternehmen in Mittel- und Osteuropa gleichzeitig und setzen ihre Liquidität unter Druck. Entscheidend wird sein, Zahlungsrisiken frühzeitig sichtbar zu machen, Zahlungsströme eng zu steuern und finanzielle Puffer gezielt zu stärken.

 sagt Christian Stoffel, Coface-CEO für die Region Nordeuropa.

 

>> Die ausführliche Insolvenzanalyse steht über den Button „Dokument(e) herunterladen“ zur Verfügung.

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